Umgang mit Harninkontinenz: 5 Tipps die Sie kennen sollten

Was tun, wenn Ihre Angehörige an Harninkontinenz leiden und es nicht einsehen möchten?

Die Harninkontinenz ist die Unfähigkeit bewusst Urin zu lassen. Diese Inkontinenz lässt sich in verschiedene Formen unterteilen, welche unterschiedliche Sypmtome und Ursachen aufweisen.

Die Inkontinenz sorgt bis ins hohe Alter für ein Schamgefühl. Dieses Gefühl geben Menschen ungern zu und äußern es deshalb nicht.
Meist wird einem das Bewusst, wenn es nach Urin riecht, oder die ersten feuchten Klamotten der betroffenen Person aufgefunden werden.
Als Angehöriger erfährt man darüber zufällig im Krankenhaus oder Pflegeheim, da auch Ihnen im Alltag diese Symptome nicht auffallen.

Nun, wie gehen Sie als Angehöriger mit einer solchen Situation um?

Wichtig ist, dass Sie Ihre Angehörigen nicht anschuldigen. Gerade im hohem Alter ist dieses Thema nämlich besonders mit Scham behaftet.
Meist entwicklet sich die Inkontinenz allmählich und ihre Angehörigen wissen selbst nicht, wie das zustande gekommen ist. Eine häufige Reaktion ist dann die Verleugnung dieses Problems auf Seiten des Betroffenen, verständlich, denn wer gibt ehrlich zu, dass er oder sie nicht ihr Urin halten kann?
Ihren Angehörigen soll vermittelt werden, dass es in Ordnung ist, Urin unwillkürlich zu verlieren und das (je nachdem um welche Art von Inkontinenz es sich handelt) Therapiemöglichkeiten existieren. Die Betroffenen sollten einfühlsam darauf aufmerksam gemacht werden, dass die Harninkontinenz zu Entzündungen des Genitalbereichs führen können und daraufhin zu Hautläsionen und Harnwegsinfekten.

Um jedoch nicht nur auf das vermeintlich Negative einzugehen, erklären Sie der betroffenen Person, dass es gut ist es nun zu wissen und dass Sie jetzt die weiteren Folgen vermeiden können. Hierbei können Sie als Angehörige unterstützen.

5 Tipps, die bei Inkontinenz helfen

1. Falls Ihre Angehörige nur gelegentlich und wenig Urin verlieren, so schaffen Inkontinenzeinlagen eine befriedigende Abhilfe. Diese gibt es in unterschiedlichen Variationen, von umgangssprachlichen „Windelhosen“, die als Unterhose angezogen werden kann, bis hin zu Einlagen zum Einkleben. Die Einlagen haben verschieden Stufen, die sich auf das Aufsaugen von Nässe beziehen.

2. Weiterhin lässt sich vor allem die Überlaufinkontinenz durch sogenanntes Toilettentraining kompensieren. Hierbei wird dem Biorhythmus beigebracht, zu festen Zeiten auf Toilette zu gehen, sodass eine routinierte Alltagsbewältigung dadurch erreicht wird. Dies erfordert vor allem Übung und Geduld mit Ihrem Angehörigen. So bringen Sie Ihm beispielsweise bei, nach dem Frühstück, nach dem Mittagessen und vor dem zu Bett gehen die Toilette aufzusuchen. Anfangs kann es dazu kommen, dass ihr Angehöriger nicht Urin lassen muss. Mit anhaltender Übung jedoch gewöhnt sich der Körper auf diese von außen stimulierenden Reize und Ihre Angehörige erlangt eine Routine, die Ihre Lebensqualität verbessert.

3. Besonders bei Frauen kann nach mehreren Geburten die Beckenbodenmuskulatur geschwächt sein. Meist wissen Ihre Angehörigen nicht, dass sie ihrem Hausarzt dies schildern können und eine Physiotherapie verschrieben bekommen können. Hierbei werden Ihre Angehörigen mit dem Beckenbodentraining vertraut gemacht, was zur Stärkung und Straffung der Beckenbodenmuskulatur führt. Da Sie nun mit ihrem Angehörigen über Ihre Insuffizienz gesprochen haben, können Sie doch mit Ihr zum Hausarzt gehen. Denken Sie daran, das Thema ist noch immer mit viel Scham verbunden, weswegen Ihr Angehöriger das allein eventuell nicht macht!

4. Das eine betrifft häufiger die Frauen, nun ein Punkt was häufiger die Männer betrifft – die sogenannte Überlaufinkontinenz. Männer können (häufig durch die vergrößerte Prostata) eine Urinabflussbehinderung entwickeln, welches zur Überdehnung der Blase führt. Das führt dazu, dass erst Urin abfließt, wenn der Druck in der Blase dem Druck des Schließmuskels übersteigt und auch nur so lange, bis der Blasendruck wieder geringer ist. Heißt im Klartext, die Blase ist nicht ganz geleert. Was hierbei das Mittel zur Wahl ist, ist das intermittierende Katheterisieren – oder einfach auf deutsch, das selbständige einmal Katheterisieren. Ich weiß, das hat besonders bei Männern einen riesige Hemmschwelle. Der Gedanke sich täglich, mehrmals etwas durch die Harnröhre zu schieben ist übel. Doch was bleibt als Alternative? Die Vorstellung dauerhaft eine gefüllte Blase zu haben? Wie würden Sie sich dabei fühlen? Unruhig, mit Sicherheit. Nach dem Entleeren verspürt Ihr Angehöriger eine enorme Erleichterung.
Wir haben das Glück in Deutschland ambulante Pflegedienste zu engagieren, die sich speziell auf urologische (Alles Rund um den Genitalbereich) Besonderheiten spezialisieren. Sprechen Sie mit Ihrem Hausarzt. Die Möglichkeit regelmäßig beispielsweise alle 6 Stunden die Harnblase zu entleeren, oder entleeren zu lassen bringt Ihrem Angehörigen eine erhebliche Lebensqualität.

Was bleibt sonst übrig? Der Dauerkatheter. Welche Vor- und welche Nachteile ein solcher Dauerkatheter hat erfahren Sie →hier.

5. So, genug über Katheter gesprochen. Lasst uns zum letzten Punkt kommen die Nykturie. Als Nykturie bezeichnet man das nächtliche ungewollte Wasserlassen. Wie können Sie Ihren Angehörigen dabei helfen, Nachts nicht in feuchter Wäsche zu liegen. So, wie auch Sie früher einmal geholfen bekommen haben, als Sie vor großen Reisefahrten auf Toilette gehen mussten.
Erklären und Entwickeln Sie mit Ihren Angehörigen eine Routine.

Quicktipp: Lassen Sie Ihre Angehörige nicht nach 18 Uhr trinken und machen Sie ihr bewusst immer vor dem Schlafengehen nochmal auf Toilette zu gehen.

Mit der zusätzlichen Versorgung durch eine Binde, oder Einlage verhindern Sie, dass Ihr Angehöriger jede Nacht in feuchter Wäsche schläft.

 

Nun sind wir am Ende der 5 Tipps angelangt. Falls Sie mehr Informationen über Inkontinenz erfahren möchten habe ich mir nochmals die Mühe gemacht weitere Beiträge zu dem Thema zu schreiben.

Unter Pflegeprodukte zum Beispiel sind bewährte Inkontinenzeinlagen aufgelisten und beschrieben. Es soll Ihnen einen Überblick verschaffen wann welche Inkontinenzeinlagen zu empfehlen sind. Weiterhin erfahren Sie dort auch, wo Sie eben diese besorgen können.

→ Hier kommen Sie zu den Inkontinenzeinlagen.

Das könnte Sie vielleicht auch interessieren: Wie ermittle ich die Inkontenzform meiner Angehörigen? → Inkontinenzformen und Ihre Maßnahmen – kurz und knapp erklärt.

 

Falls Ihnen der Beitrag gefallen hat, leiten Sie Ihn gerne an Freunde und Verwandte weiter, die Ihrer Meinung nach hiervon ebenfalls profitieren könnten.

 

Ihr Gesundheitsberater und Krankenpfleger

Fabio D’Adamo

 

 

 

 

2 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Interessant, dass sich Überlaufinkontinenz mit einem gezielten Training reduzieren lässt. Ich kannte bis jetzt immer nur diese Pants für Inkontinenz. Ich habe gerade begonnen meinen Onkel zu pflegen. Ich bin wirklich daran interessiert ihm eine gute Lebensqualität zu ermöglichen und vielleicht könnte ich ihm mit solchen Maßnahmen oder den Alltag ein bisschen erleichtern.

  • Fabio von Pflegeabc
    16. Juni 2019 11:09

    Es freut mich sehr mit diesen Tipps geholfen zu haben. Bei weiteren Unklarheiten kannst du mir gerne über pflegeabc.online@gmail.com deine Fragen stellen.

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