Trinkgeld als Pflegekraft annehmen?

Darf ich als Pflegekraft Trinkgeld annehmen?

Hier scheiden sich die Geister. Vor allem zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer.

„Besonders christliche Arbeitgeber lehnen ab“.

Christliche Krankenhäuser oder Verbände lehnen häufig Trinkgelder ab. Das liegt daran, dass sie die Krankenpflege nicht primär als Beruf, sondern vielmehr als christliche Nächstenliebe und Fürsorge ansehen. Trinkgeld in Form einer Bezahlung passt daher nicht in die Leitlinien eines christlichen Hauses.

Viele christliche Krankenhäuser haben in der modernen Gesellschaft jedoch erkannt, dass das Trinkgeld nichts Negatives ist, insofern es nicht der Bestechung und Anzahlung für besondere Aufmerksamkeit und Betreuung dient.

Aber wie gehe ich damit um, wenn ich Trinkgeld angeboten bekomme?

Viele Stationen haben eine Stationskasse, in der Patienten nach ihrem Aufenthalt als Dank etwas hinterlassen können. Hierbei wird keine Person bevorzugt und mit dem Geld können innerbetriebliche Veranstaltungen o. ä. finanziert werden.

Ist es strafbar?

Grundsätzlich ist es ist nicht strafbar, Geld von Patienten anzunehmen, die bei vollem Bewusstsein sind. Anders sieht es bei Patienten aus, die kognitiv beeinträchtigt sind. Bei Annahme des Trinkgeldes während des Aufenthaltes kann es dazu kommen, dass Sie des Diebstahls beschuldigt werden. Um dies zu vermeiden, ist es ratsam, sich mit den jeweiligen Kollegen abzusprechen und sie darüber zu informieren, dass der Patient, der Ihnen etwas Trinkgeld schenken wollte, von Ihnen darauf verwiesen wurde, dies nach dem Aufenthalt auf der Station zu tun. Somit werden Missverständnisse vermieden.

Mache ich mich damit bestechlich?

Das hängt ganz von Ihrem Typ ab. Prinzipiell wurde beobachtet, dass die Patienten, die bereit waren Trinkgelder zu vergeben oder dies schon während des Aufenthaltes taten, besser versorgt wurden. Das hängt nicht mit der Summe zusammen, vielmehr ist der Mensch an sich darauf gepolt für Geld einen Gegenwert anzubieten, der in der Pflege als Form von besonderer Aufmerksamkeit widergespiegelt wird.

Um die Gleichberechtigung zu bewahren und die Problematiken mit Kollegen und Geschäftsführung zu vermeiden, ist auch hier die beste Lösung auf die Stationskasse – nach dem Aufenthalt, quasi als Dank für die gute Pflege – zu verweisen.

Und was tun, wenn nur Sie (und sonst keiner Ihrer Kollegen) Trinkgeld erhalten? Sollen Sie es annehmen?

Bei Patienten mit kognitiver Beeinträchtigung ist wie oben bereits erwähnt, besondere Vorsicht zu bieten. Bei Patienten die klar und gewissenhaft wahrnehmen, welche Pflegekraft wie handelt, können Sie an die Stationskasse verweisen. Wenn die pflegebedürftige Person es jedoch nur Ihnen geben möchte, so können Sie es auch am letzten Tag annehmen.

Die Patienten sehen das Geben von Trinkgeld meist wie im Restaurant. Oftmals ist es aber auch ein Ausdruck von tiefster Dankbarkeit. In diesem Fall können Sie ruhigen Gewissens das Trinkgeld annehmen, da das Geld nur den Wert ihrer Dienstleistung widerspiegelt. Falls das nur auf Sie und nicht Ihre Kollegen zutrifft, machen Sie wohl etwas richtig.

Aus Rücksicht vor Ihren Kollegen und um das Teamklima aufrecht zu halten, ist es ratsam, nach erhaltenem Trinkgeld nicht damit zu prahlen. In anderen trinkgeldbasierenden Branchen, ist solch ein Verhalten ebenfalls unangebracht und schlichtweg unprofessionell.

Damit wir gemeinsam besser pflegen.

 

Ihr Gesundheitsberater und Krankenpfleger,

Fabio D‘Adamo

 


Produkte auf Amazon.de

 

7 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Danke für die guten Tipps zur Krankenpflege. Ein Bekannter ist Krankenpfleger in Leoben. Er konnte bestätigen, dass die Klienten ab und an ein Trinkgeld geben möchten. er nimmt aber nie Trinkgeld an.

  • Meine Tante arbeitet als Pflegekracht und hat sich oft gefragt, was man in solchen Situationen tun soll. Gut, dass es nicht strafbar ist. Bisher hat sie das Geld nicht akzeptiert, aber sie hat auf die Stationskasse hingewiesen.

  • Ich habe mir immer die Frage von der anderen Seite gestellt. Nämlich ist es erlaubt, den Pflegekräften in der Altenpflege Trinkgeld zu geben oder nicht. Auch bei Weihnachtsgeschenken mache ich mir ähnliche Gedanken.

  • Ich finde es nicht verwerflich im Pflegedienst Trinkgelder anzunehmen. Schließlich ist es als eine Wertschätzung für die geleistete Arbeit gedacht. Das kann man doch mit Freude zur Kenntnis nehmen.

  • Fabio von Pflegeabc
    2. Februar 2019 21:52

    Da bin ich ganz deiner Meinung, wenn die Rahmenbedingungen passen 🙂

  • Anonymous
    1. April 2020 7:08

    Ich hätte eine Begebenheit los zu werden : meine Mutter ist im Seniorenheim, ich hätte gerne jetzt in Zeiten von corona, ein geld für irgend etwas gegeben( Trinkgeld , eine Schwester musste extra in den Dienst kommen, da ich nicht könnte, und Spende für etwas, was sie so brauchen, jause für personal)..es wurde zurück gewiesen und einfach auf das Konto (Taschengeld) meiner Mutter geschrieben,bitte um Meinung, bin etwas verwundert. Lg

  • Fabio von Pflegeabc
    27. April 2020 3:15

    Es gibt Pflegedienste, die kein Trinkgeld annehmen, die sich jedoch über essen oder andere kleine Aufmerksamkeiten freuen. Gruß Fabio

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Bitte füllen Sie dieses Feld aus
Bitte füllen Sie dieses Feld aus
Bitte gib eine gültige E-Mail-Adresse ein.

Menü