10 Tipps zur Soor- und Parotitis Prophylaxe

Was du tun kannst, um eine Infektion im Mund und Rachenbereich zu vermeiden

In diesem Beitrag geht es um die Soor- und Parotitisprophylaxe. Du erlernst Maßnahmen, die in der Krankenpflege angewandt werden, um dies zu verhindern, ob Zuhause oder in einer gesundheitlichen Einrichtung. Wissen aus erster Hand zur Mundhygiene und mehr.

Zu Beginn – Was ist und wie entsteht Soor und Parotitis?

Soor ist eine Entzündung im Mund- und Rachenbereich. Welches durch Bakterien, Viren oder Pilzbefall verursacht wird.
Als Parotitis bezeichnet man die Entzündung der Ohrspeicheldrüse, welches über den Mund und Rachenbereich ebenfalls infiziert.
Besonders gefährdet sind daher Personen mit schlechten Allgemeinzustand, mit mangelnder Kautätigkeit, verminderter Flüßigkeits- und Nahrungsaufnahme und einer Verletzung (oder nach OP) im Mund-/ Kieferbereich.

10 Tipps zur Soor- und Parotitisprophylaxe
  1. Ausreichend Flüssigkeitszufuhr – Einer der Hauptgründe, weshalb eine Entzündung im Mund und Rachenbereich auftritt ist die vermehrte Mundtrockenheit. Reiche daher der Personen, zu jeder Mahlzeit mindestens ein Glas Wasser an. Ebenso wichtig, das Anreichen von Flüssigkeit bei der Medikamenteneinnahme, da besonders Antibiotika und Zytostatika im Mund verbleiben und die Schleimhäute schädigen.
  2. Zu jeder Mahlzeit, Mundhygiene – Personen die sich nicht selbst waschen können, aufgrund ihres verschlechternden Allgemeinzustandes, oder verminderter Abwehrkraft benötigen nach den Mahlzeiten, also 3-mal täglich eine Mundhygiene.

Quick-Tipp: Material und Durchführung Inspektion der Mundhöhle à einen Becher mit Wasser füllen und die Person den Mund spülen lassen à anschließend mit einer Zahnbürste, ggf. weiche Zahnborsten, um das Zahnfleisch nicht zu reizen (siehe Artikel unten) und Zahnpasta die Zähne putzen à Mit dem Mundwasser (antiseptisch) ausspülen lassen.“

*Die Artikel zur Mundhygiene findest du weiter unten bei Amazon.

  1. Spezielle Mundpflege – Die spezielle Mundpflege bedarf es, wenn bereits Entzündungen vorhanden sind, oder die Person durch eigene Kraft die Mundhygiene nicht durchführen kann. Hierbei gibt es spezielle Mundpflegesets, die aus Kugeltupfer, Klemme, Becher und Mundpflegemittel bestehen. Auch hier, wird nach jeder Mahlzeit die Mundhygiene durchgeführt, die Tupfer, die mit Wasser bzw. mit dem antiseptischen Mundwasser getränkt sind werden dafür verwendet, um die Beläge auf der Zunge und in den Backentaschen zu entfernen.

Wichtig hierbei: Achte auf eine Schluckstörung der Person. Dadurch, dass eine andere Person die Mundhygiene durchführt, kann die Person nicht den Druck/ Reiz steuern. Die Tupfer sollten daher nicht nass getränkt, sondern eher befeuchtet werden, ehe sie zum Einsatz kommen.

  1. Prothesen – Ein wichtiger Aspekt bei der Mundhygiene spielen die Zahnprothesen. Sie werden zum Reinigen aus dem Mund genommen. Anschließend erfolgt erst die Mundhygiene. Prothesen abspülen (ggf. vorsichtig mit der Zahnbürste abbürsten) und nach der Mundhygiene erneut einfügen. Sitzt die Zahnprothese nicht gut, empfiehlt sich das Verwenden einer Haftcreme.
    Wichtig: Um eine Verformung des Kiefers vorzubeugen, soll auch über Nacht die Zahnprothese getragen werden!
  2.  Anregung des Speichelflusses mit Sogenannte Lemonsticks – Lemonsticks oder Eiswürfel mit Zitronensaft, regen den Speichelfluss der Person an. Sie wirken erfrischend und befeuchten die Mundhöhle.
  3.  Anregung des Speichelfusses durch Kauen – je nach Schluckstörung, bieten sich auch Kaugummis an, um den Speichelfluss anzuregen. Bei Patienten ohne Nahrungskarenz, immer leichte Kost geben, die noch gekaut werden kann. Das stärkt den Kiefer, regt den Speichelfluss an und hält die physiologische Tätigkeit aufrecht.

„Allgemein gilt: Physiologisch immer vor künstlich. Alles was „normal“ durchgeführt werden kann, soll auch so getan werden. Sprich, kein Mundpflegeset, wenn die Person noch selbst die Zähne putzen kann, oder kein Schnabeltrinkbecher, wenn die Person nicht aspirationsgefährdet ist.“

  1. Tees – Eine Mundspülung mit ähnlicher antiseptischer Wirkung lässt sich auch mit Hausmittel wie z.B. Kamille und Salbeitee durchführen. Es schützt die Schleimhaut vor bakteriellen Einflüssen. Lasse daher deinem Angehörigen den Kamillen- oder Salbeitee trinken oder nutze es als Mundspüllösung zur Mundhygiene.
  2. Rhagaden – Einrisse in Mund- und Nasenwinkel sind Rhagaden. Besonders Personen mit Vitaminmangel sind davon betroffen. Um potenzielle Infektionen in diesen Wunden zu vermeiden, ist die Information an den Arzt zu Beginn empfehlenswert. Hierbei kann durch Gabe von Eisen und Vitaminen die Wunde besser abheilen, aber auch außen kann eingewirkt werden. So hilft die Bepanthensalbe bei Einrissen an Mund und Nasenwinkeln.
  3. Belag – Besteht bereits stark haftender Belag auf der Zunge, oder an den Backen, so handelt es sich meistens schon um Soor. Hier muss ebenfalls der Arzt bescheid wissen. Die Behandlung erfolgt dann in der Regel mit einer konzentrierten Lösung (meist Moronal), womit die betroffene Stelle bepinselt wird.Wichtig hierbei, es kann versucht werden, mit dem Mundpflegeset und den Tupfer einzelne Fäden zu entfernen, jedoch nicht mit Gewalt. Dies kann ansonsten zu Blutungen führen, wenn die Beläge so stark angehaftet sind.
  4. Schwellunge behandeln – Die geschwollene Mundschleimhaut führt vor allem beim Kauen und Schlucken zu Schmerzen. Bei einer Rötung dieser Schwellung spricht man von einer Stomatitis. Sie ist eine Ursache zur verminderten Nahrungsaufnahme, aufgrund von Schmerzen und führt dadurch zur Mundtrockenheit, Infektionen, sprich zu Soor und Parotitis. Hierbei empfehlen sich antiseptische Spülungen (Artikel siehe Unten), sowie Lutschtabletten und Salbeitee. Tritt nach 2-3 Tagen keine Besserung ein, soll der Arzt kontaktiert werden, der medikamentös bzw. mit einer speziellen Mundspüllosung weiterhelfen kann.
Warum ist das ganze so wichtig?
Ohne jetzt großartig Angst machen zu wollen, ist die Soor- und Parotitisprophylaxe sehr wichtig, dass sich die Infektionen, die sich im Mund- und Rachenbereich ansammeln verbreiten können. Dies kann über die Atemwege zur Lunge gelangen und eine Entzündung dessen verursachen (durch Bakterien etc) und auch in die Blutlaufbahn, was schlimmstenfalls zur Sepsis (einer Blutvergiftung) führen kann.
Das ist natürlich nun weit hergeholt, doch das vernachlässigen dieser Tätigkeit führt zwangsläufig zur Verschlechterung der Gesundheit der Person.

Ich hoffe dir mit diesen Tipps weitergeholfen zu haben. Gerne kannst du in die Kommentare weitere Tipps ergänzen.

Damit wir gemeinsam besser pflegen und
weil die Gesundheit an erster Stelle steht.

 

Dein Gesundheitsberater und Krankenpfleger,

Fabio D’Adamo

 


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7 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Du hast hier wirklich einige gute Punkte genannt! Sehr informativ, vielen Dank für diesen Beitrag! 🙂

  • Man sollte eigener Mundhygiene genügend Aufmerksamkeit schenken. Daher finde ich den Tipp, den Kamillen- oder Salbeitee als Mundspüllösung zu nutzen, sehr interessant. Möchte es mal auch ausprobieren.

  • Fabio von Pflegeabc
    19. März 2019 17:03

    Da gebe ich dir definitiv Recht und Kamille, sowie Salbei wirken von Natur aus entzündungshemmend, antibakteriell und krampflösend.

  • Fabio von Pflegeabc
    19. März 2019 17:03

    Freut mich, weiterhelfen zu können 🙂

  • Franziska Bergmann
    26. April 2019 10:43

    Vielen Dank für den Beitrag über Prophylaxe. Ich werde den Tipp, Kamille und Salbeitee als Mundspülung zu verwenden, berücksichtigen. Dass diese Tees eine antiseptische Wirkung aufweisen, war mir nicht bewusst.

  • Elke Unverzagt
    25. Juni 2020 6:24

    Kamille wird eine austrocknende Wirkung zugeschrieben, deshalb nur mit Vorsicht einsetzen
    Ein Schnabelbecher ist nicht immer hilfreich bei einer Schluckstörung, weil der Schluckvorgang vorne an der Zunge beginnt.

  • Fabio von Pflegeabc
    11. Juli 2020 13:10

    Danke für dein Feedback. In der Tat sollte der Schnabelbecher individuell genutzt werden. Einige stellen um auf Strohhalme, andere fühlen sich allerdings immernoch wohler mit dem Schnabelbecher. Wichtig beim Schlucken ist jedenfalls den Kinn nach unten zu richten, um ein Durchdringen in die Luftröhre zu verhindern.

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