Pflegenotstand und ihre Auswirkungen

3 Tipps, wie du bei massiver Belastung weiterhin Freude und Positivität aus deiner Tätigkeit ziehst

Der Pflegenotstand ist ein Thema, das seit einiger Zeit sowohl Pflegekräfte als auch die Politik und die Gesellschaft fest in seinem Griff hält. Der Fachkräftemangel besonders im sozialen und medizinischen Bereich ist dabei eine Situation, die absehbar war und leider nicht aufgefangen wurde, weswegen Pflegebedürftige aber auch Pflegekräfte heute stark darunter leiden.

Das Thema ist, natürlicherweise, in allererster Linie in den Köpfen und Mündern von Pflegepersonal vertreten, da diese Fachleute den Pflegenotstand tagtäglich erleben müssen. Permanenter Personalmangel, zu wenig Kollegen für die zu erledigende Arbeit, zu wenig Zeit für die Patienten und deren qualitative Betreuung, viele Überstunden, häufiges Einspringen, kaum Freizeit bzw. Möglichkeit das eigene Privatleben gut führen zu können. Das alles bemerken aber natürlich auch die Patientinnen und Patienten, die die Pflegekräfte häufig als abgehetzt, kurz angebunden, gestresst und meist nur zeitlich kurz als Teil ihrer Betreuung wahrnehmen können.

All das und viele weitere Problematiken, z.B. die Gewinnmaximierung der häufig privaten Träger oder direkten Vorgesetzten machen die Arbeit als Pflegekraft heutzutage noch schwerer und belastender und das, aus meinen Augen unnötigerweise. Jeder Mensch hat das Recht gut versorgt zu werden, wenn er krank oder pflegebedürftig ist, Pflegenotstand hin oder her, schließlich zahlt jeder von uns seinen Beitrag zu Pflege- und Krankenversicherung, und sollte entsprechend gut betreut werden, wenn er diese benötigt.




Dieses Wissen trägt besonders bei Pflegekräften dazu bei, dass sie gestresst und deprimiert sind, ihre Arbeit unter dem Druck „von oben“, nicht mehr ausreichend gut und zeitlich optimal machen zu können. Ein Problem, das flächendeckend besteht, wenn man sich in Heimen und Krankenhäusern unter dem Pflegepersonal umhört und sich die Statistiken zur Belegungsquote im Verhältnis zum Stellenschlüssel anschaut. Viele kranke Kolleginnen und Kollegen, die dem Stress nicht mehr gewachsen sind oder aber durch den Stress den Beruf wechseln müssen verschlimmern das Problem des Pflegenotstands zusehends. Von politischer Seite müssen dringend Reformen erfolgen, die sowohl den Stellenschlüssel, als auch Bezahlung, Einhaltung von Schutzzeiten und Belegungsschlüssel für Stationen und Einrichtungen regeln, um die Rahmenbedingungen für Pflegende zu verbessern.

Doch bis es soweit ist, müssen Pflegepersonen schauen, wie sie trotz des Stresses und der teils massiven Belastung gesund bleiben und trotzdem Freude und Positivität aus ihrer Tätigkeit ziehen können.

Folgende Tipps kann ich euch aus eigener Erfahrung nennen:

1. Sport / Meditation / Yoga – Körper und Seele sollten im Einklang sein (klingt zumeist sehr esotherisch ist aber für viele Menschen ein Erfolgskonzept, wenn man sich die Mitgliederzahlen bei Yoga-Kursen und Fitnessstudios oder Sportvereinen so anschaut). Ein bisschen zuhause auf einem Kissen sitzen und bei geschlossenen Augen entspannende Musik hören, mal alles ausblenden oder einfach in der Natur spazieren gehen und seine Ruhe haben, das ist keine Schande, besonders vor dem Hintergrund des stressigen und meist sehr menschenlastigen Alltags, und kann die eigenen Batterien wieder aufladen. Oder einfach mal beim Sport voll auspowern und den Stress umwandeln in Energie, im besten Fall direkt mit Rückensport kombinieren, dann tut man auch noch was für den gefährdetsten Körperteil im Pflegealltag und wirkt den körperlichen Belastungen durch Mobilisation und co entgegen.

2. Kommunikation, Kommunikation, Kommunikation – mit Kollegen, der Familie, Freunden und Bekannten über die Themen des Alltags sprechen, als Pflegekraft erlebt man Dinge, die einen mitnehmen und belasten können, ob das nun Todesfälle, persönliche Schicksale von Patienten oder auch einfach der Pflegenotstand sind, ist hierbei egal. Wichtig ist, dass man nichts in sich hineinfrisst, denn das steigert die Unzufriedenheit und deprimiert, weil man sich nicht verstanden fühlt oder die Belastungen nicht verbalisieren kann. Man sollte auch Supervisionen und co nutzen, um sich auf einem Level mit seinen Kolleginnen und Kollegen austauschen zu können. Man ist meistens nicht alleine mit den Belastungen des Alltags und es kann helfen, zu wissen, dass andere Menschen ähnliche Gedankengänge oder ggf. schon Lösungsansätze für belastende Themen gefunden haben.

3. Wertschätzung erleben und wahrnehmen – Auch wenn die Wertschätzung aus der Chefetage meistens fehlt, weil dort keiner Ahnung hat, welch harten Job wir Pflegekräfte leisten müssen, so sind unsere Schutzbefohlenen trotz des Zeitmangels und des Pflegenotstands dankbar für unsere Betreuung und Zuwendung und zeigen dies gerne. Mal in Form einer Packung Pralinen, mal mit einer Einladung auf einen Kaffee oder aber ganz schlicht mit einem herzlichen Dankeschön. Aus diesen Situationen kann man immer ein wenig Energie ziehen, denn besonders der Dank von Menschen, denen man in so intimem Umfeld hilft, ist meist aufrichtig, kommt von Herzen und zeigt einem, warum man den Beruf gerne macht. Denn auch wenn das reine Helfen natürlich nicht der einzige Grund für die Arbeit ist, so bildet er doch meistens das Rückgrat der Ideologie einer Pflegekraft.

Wie schon erwähnt, berichte ich aus eigenem Erfahrungsschatz und habe über die täglichen Herausforderungen des Pflegealltags ein Buch geschrieben, um die Gesellschaft auf den wichtigen Beruf der Pflegekräfte aufmerksam zu machen und den Pflegenotstand zu erklären. Anhand von Praxisbeispielen meines persönlichen Berufsalltags versuche ich zu veranschaulichen, welche wichtigen tagtäglichen Probleme durch den komplexen Begriff „Pflegenotstand“ entstehen.

Euer Maximilian Wendt,
Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger / Buchautor

Dieser Gastbeitrag wurde von Maximilian Wendt verfasst. Er ist Gesundheits- und Krankenpfleger und klärt in seinem Buch “Warum die Pflege in Not ist” über den bestehenden Pflegenotstand auf. Dieses Buch ist nicht nur für Pflegekräfte, sondern auch für Personen gut zu lesen, die keine Berührungspunkte mit der Pflege haben. Er beschreibt treffend problematische Rahmenbedingungen, tägliche Herausforderung zur Durchführung einer guten Pflege und bringt Geschichten aus dem Pflegealltag zum Vorschein.

Hast auch du das Gefühl von deiner Arbeit überfordert zu sein?
Dann kontaktiere mich unter pflegeabc.online@gmail.com für eine Beratung.
Gemeinsam lösen wir deine Stress-Situationen auf, sodass du dich nicht von deinen Probleme bestimmen lässt!

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