10 Tipps zu Obstipationsprophylaxe

In diesem Beitrag soll es um das Pflegeproblem der Darmentleerung gehen, der Obstipation. Die Obstipation ist ein Zustand in dem der Betroffene verzögert seinen Darm entleeren kann. Der Stuhlgang ist hierbei gehärtet und schmerzhaft. Es kann zu Völlegefühl, Appetitlosigkeit und in schwersten Fällen zu einer vollständigen Verstopfung des Darmausgangs führen, mit entsprechenden Nebenwirkungen.
Die Spätfolgen der Obstipation, wie organische Schäden, Megakolon (aufgeriebener Darm), oder einen paralytischer bzw. mechanischer Ileus (Darmverschluss) können effektiv verhindert werden, wenn relevante Maßnahmen (zusätzlich zur Flüssigkeitsaufnahme) angewendet werden.

Im Folgenden erfährst du 10 pflegerische Tipps, die du bei deinen Angehörigen, Bewohnern, oder Patienten durchführen kannst, um einer Obstipation entgegenzuwirken.
Um einer Obstipation entgegenzuwirken ist es wichtig zu wissen, weshalb die Verstopfung überhaupt eintritt.

Wie erwähnt weisst du nun, dass es mit der geringen Flüssigkeitsaufnahme zutun hat.
Völlig richtig. Doch viele Faktoren sind unbekannt, oder werden einfach nicht beachtet.

„60 % der Pflegeheimbewohner haben ein Obstipationsrisiko.“

Die Ursachen

Mangelnde Wasseraufnahme:
Die bekannteste und am häufigsten erkannte Ursache ist die verminderte Flüssigkeitsaufnahme. Der Betroffene trinkt nicht genug und muss häufig zum trinken angehalten werden. Doch genauer hingeschaut hat die mangelnde Wasseraufnahme ebenfalls Ursachen.

  • Fieberhafte Infekte: Menschen die fiebern haben einen verminderten Drang Nahrung oder Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Hinzu kommt, dass vermehrt Schweiß ausgesondert wird, welches die Obstipation begünstigt.
  • Auch fehlende Zähne, oder eine Schluckstörungen führen dazu, dass nur geringe Mengen fester Nahrung aufgenommen werden. Die ungenügende Aufnahme ballaststoffreicher Nahrungsmittel begünstigt ebenfalls die Verstopfung.
  • Die Peristaltik funktioniert meist nur mit ausreichend Flüssigkeit: Ebenso ist die Peristaltik z.B. bei Kalziummangel gestört und verlangsamt dadurch den Weitertransport des Stuhls.

Unzureichende Nahrungsaufnahme:
Zu wenig aufgenommene Ballaststoffe, ohne ausreichend Flüssigkeit verdicken den Stuhlgang und erschweren dadurch den Weitertransport im Darm. In Kombination mit der nächsten Ursache, ist eine Obstipation schwer zu verhindern.

Bewegungsmangel:
Körperliche Schwäche bzw. eine schwache Bauchpresse, also die verminderte Kraft der Abdominalmuskulatur verhindert das Transportieren des Stuhlgangs. Die damit einhergehende Bewegungsbeeinträchtigung, werden hervorgerufen durch:

  • Einen mehrtägigen Bettaufenthalt oder durch
  • Bewegungseinschränkungen bei der körperlichen Hygiene.
  • Bei Querschnittsgelähmten ist die Innervation (Reizleitung der Nerven) beeinträchtigt und verlangsamt dadurch die Peristaltik.

Psychische Faktoren:
Reisen, Stress, oder Scham führen bei den Betroffenen dazu, dass sie ihren Stuhlgang nicht entleeren wollen.

  • Die Unterdrückung des Stuhlgangs führt nach und nach zum Verlust des Entleerungsreizes.
  • Ebenfalls sind externe Einflüsse eine Blockade zur Darmentleerung: Eine unhygienische Umgebung, die fehlende Privatsphäre, oder das Nutzen des Steckbeckens.
  • Gehetzte Pflegekräfte, die das Gefühl vermitteln für den Toilettengang keine Zeit zu haben unterstützen das Unterdrücken des Stuhlgangs zunehmend.
  • Besonders demenzerkrankte Personen haben Schwierigkeiten die Toiletten zu finden. Begünstigt durch eine schlechte Ausschilderung der Toiletten wird daraus eine weitere psychische Ursache einer Obstipation.
  • Fehlende Möglichkeit sich auszudrücken: Besonders Bewohner, die sich verbal nicht äußern können, durch spezielle Erkrankungen oder sprachlichen Barrieren gilt es besonders in Anbetracht der Obstipationsgefahr zu beobachten.

Schmerzen:
Aufgrund von Hämorriden, Schürfwunden, Peri-anal Thrombosen oder andere Erkrankungen am After, ist die Ausscheidung schmerzhaft und wird daher von den Betroffenen unterdrückt.

Organisch bedingte Ursachen:
Auch durch Tumore, oder Divertikel im Darm führen zu Schwierigkeiten bei der Ausscheidung.

Medikamente:
Intoxikation durch Schmerzmittel wie Opiate, Psychopharmaka, oder bei einer Bleivergiftungen verlangsamen die Peristaltik des Darms und somit den Abtransport des Stuhlgangs, welches ebenfalls eine Obstipation maßgeblich beeinträchtigt.

10 Maßnahmen zur Obstipationsprophylaxe

1. Flüssigkeitszufuhr: Die wichtigste Maßnahme zu erst. Haben Bewohner oder deine Angehörige Schwierigkeiten ausreichend Flüssigkeit zu sich zu nehmen, so lassen sich mit kleinen Tricks ihre Aufnahme erhöhen.

  • Kleine Flaschen nutzen: Sie sind leichter zu transportieren. Außerdem, falls ein ein kleiner Rest übrig bleibt, wird es meist ausgetrunken, welches bei großen Behältern oft noch in der Flasche verweilt wäre.
  • Wasser mit Geschmack: Empfehlenswert mit frischen Früchten wie Zitronen oder Beeren. Für den ein oder anderen ist der Geschmack von Wasser langweilig, weshalb auch das der Grund für verminderte Zufuhr ist.
  • Konsistenz ändern: Flüssigkeit wird ebenfalls durch Eis aufgenommen. Ob es nun Slush-Eis, Eis am Stiel, oder Softeis ist. Jede Form fördert die Aufnahme von Flüssigkeit. Die Abwechslung der jeweiligen Flüssigkeitsmöglichkeiten versprechen einen hohen davon.
  • Kaffee: Ein Kaffee am Morgen fördert die Peristaltik des Darms.
  • Salbeitee und Schwarzkümmelöl wirken darmregulierend und können zur Unterstützung konsumiert werden.

2. Erinnerung: Selbstverständlich vergessen häufig hochbetagte Menschen die ausreichende Flüssigkeitsaufnahme.

  • Stelle daher in der Wohnumgebung sicher, dass ausreichend kleine Flaschen in der Küche, im Wohnzimmer und im Schlafzimmer verteilt sind. Das erinnert die Betroffene Person, dass ja noch getrunken werden muss
  • Auch die moderne Technik kann hierbei Helfen. Apps, oder Weckereinstellungen auf dem Handy können die gefährdete Person daran erinnern Flüssigkeit zu sich zu nehmen.

3. Ballaststoffreiche Kost: Im Darm lebende Bakterien verarbeiten die aufgenommenen Ballaststoffe Fettsäuren und – beides macht den Stuhl weicher und das Stuhlvolumen nimmt zu. Ballaststoffe die z.B. in Vollkornbrot, Nudeln, Reis, Obst und Gemüse, z.B. in Kohl, oder Hülsenfrüchte enthalten sind, ermöglicht eine zügige und regelmäßige Darmentleerung ohne zu Pressen.

„Wichtig: Ballaststoffreiche Kost stets mit ausreichend Flüssigkeit zu sich nehmen, da sie Flüssigkeit aus dem Gewebe in das Darmlumen zieht und die Kreislaufstabilität erhalten werden sollte. In der Regel bedenkenlos, doch bei multimorbiden, oder hochbetagten Menschen immer zu beachten!“

4. Zusätzliche Kost: Empfohlen wurden besondere pflanzliche Quellmittel wie Leinsamen, um ein voluminösen Stuhl zu erzeugen, welches die Bewegungen des Darms anregt und wiederum den Weitertransport der Nahrungsreste und ihre Ausscheidung beschleunigt.

5. Bewegung: Auch wenn die Bewegung hier an 5. Stelle steht, so gehört diese Maßnahme zu den wichtigsten Grundpfeiler der Obstipationsprophylaxe.

  • Regelmäßige Spaziergänge: Am frischen Morgen, oder am Späten Abend. Egal wann ein Spaziergang am Tag gemacht wird. Die Bewegung unterstützt die Darmmobilität und verhindert das Verharren des Stuhls im Darm.
  • Sportliches Hobby: Ob es nun Walken, Joggen oder eine andere Sportart ist, die man alleine oder mit anderen Mitgliedern durchführt. Sie unterstützt nicht nur den Darm, sondern hält auch jung und Vital.
  • Tägliche Streck- und Dehnübungen: Die einfachste Methode, um den Darm zu erleichtern, ist das tägliche Strecken, Bewegen und Dehnen am Morgen. Es lockert die Muskulatur und unterstützt sanft den Weitertransport des Stuhlgangs.

6. Darmtraining: Das Darmtraining beinhaltet das bewusste Entleeren an bestimmten Zeiten. Hierbei soll dein Bewohner oder Angehörige sich daran gewöhnen z.B. nach dem Frühstück routinemäßig die Toilette aufzusuchen. Außerdem kann er 30 Minuten nach jeder weiteren Mahlzeit z.B. nach dem Mittagessen und dem Abendessen, die Toilette aufsuchen, auch wenn kein Stuhlgang vorhanden ist.

7. Äußerliche Anwendungen: Die Anwendung von Wärme, z.B. in Form einer gepolsterten Wärmflasche (Verbrennungsgefahr) kann die Darmmuskulatur entspannen. Ebenfalls hilfreich kann die Anwendung einer Kolonmassage sein.

„Kolonmassage: Die Kolonmassage wird mit kleinen kreisförmigen Bewegungen entlang des Kolon ascendens, also der rechten Flanke von unten nach oben, aus der Betroffenen Sicht begonnen. Weiterführend über den transversum von rechts nach links unterhalb des Brustkorbs. Anschließend über den Colon descendens, also von Links oben nach Links unten.“

8. Toilettengang ermöglichen: Besonders Personen, die kognitiv, oder körperlich beeinträchtigt sind, sollte eine besondere Beobachtung gewidmet werden. Hierbei solltest du dir Zeit nehmen, mit einfachen Wörtern und Zeichen nach dem Drang zur Toilette zu fragen und diesen zu ermöglichen. Gerade in neuen Umgebungen fällt es den Betroffenen schwer die Toilette zu finden. Beschreibungen, oder Schilder an den Türen können das vereinfachen. Auch die Begleitung zur Toilette sollte ohne Hast erfolgen, sodass der Betroffene sich nicht als Last fühlt.

9. Laxanzien und andere Medikamente: Diese Maßnahmen sollten zu letzt und wenn, dann nach ärztlicher Anordnung erfolgen. Ist der Körper des Betroffenen bereits daran gewöhnt, oder kennt die Problematik, sowie die Wirkung des Medikaments, können Laxanzien wie z.B. Dulcolax oder Lactulose oral/rektal (je nach Gebrauchsanweisung) verwendet werden.
Die Wirkung der Laxanzien kann sich gegebenenfalls verzögern. Durch ein Überkonsum kann es zu schmerzhaften Entleerungen mit übermässigen Verlust kommen, weswegen von einer nicht angeordneten Überdosierung abgeraten wird. Hier ist es vernünftiger erneut den Arzt zu befragen.

10. Beobachtung: Ob du nun Angehöriger, Auszubildender oder Pflegekraft bist. Die Beobachtung ist die erste und effektivste Maßnahme zur Einleitung. Fällt dir beispielsweise auf, dass die gefährdete Person bereits 1-2 Tage keinen Stuhlgang hatte und zudem sich körperlich wenig bewegt, nicht genug trinkt, oder neue Medikamente zur Entwässerung oder ähnliches aufgeschrieben bekommen hat, so sollte das ein Alarmzeichen sein. Wie oben beschrieben können z.B. Medikamente gegen Schmerzen, oder Diuretika zur Obstipation führen.

„Quick-Tipp: Wurde 2 Tage kein Stuhlgang gelassen, so ist ein Arzt aufzusuchen um eine schnellstmögliche Gegenmaßnahme einzuleiten.“

(11.) Verdacht auf? Nicht außer Acht zu lassen ist der letzte Punkt. Fällt dir oder der betroffenen Person auf, dass der Stuhlgang mal Fest und anschließend wieder weich ist und diese Abwechslung zudem häufig auftritt kann das ein Zeichen sein, dass ein Divertikel, ein Geschwür, oder ein Tumor im Darm ist. Hierbei ist es bedeutend dem Arzt seine Beobachtung genauestens zu schildern, sodass eine entsprechende Überweisung und Behandlung erfolgen kann.

Merke: Die tägliche Beobachtung und Befragung nach dem Stuhlgang ist die erste und effektivste Maßnahme zur Obstipationsprophylaxe.

 

Dein Gesundheitsberater und Krankenpfleger,

Fabio D’Adamo

 


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