Medikamentenlehre: Was ist bei der Einnahme der Medikamente zu beachten?

Zur Gesundheits- und Krankenpflege sind Medikamente feste Bestandteile der Therapie. Vielleicht kennst du das, als Pflegeauszubildende/r: Schnell verliert man den Überblick über die unterschiedlichsten Darreichungsformen und die Wirkungsweisen. Zudem kommen die vielen Kürzel hinzu… was bedeuten noch gleich die Kürzel?

Dieser Beitrag soll dir als Pflege-Azubi besser zu verstehen geben, was die Kürzel auf den Medikamentenpackungen und die Kürzel hinter den Anordnungen der Ärzte bedeuten. Außerdem steht kurz und knapp beschrieben, was du bei der Einnahme der Medikamente zu beachten hast.

Die Einnahme der Medikamente

Vorbereitung des Patienten:
  • Bei der Einnahme solltest du darauf achten, dass dein Patient eine aufrechte Sitzposition einnimmt, die ein Verschlucken und ein aspirieren vermeidet. Häufig wird hier der Fehler gemacht, die Medikamenten in einer halb liegenden Position zu verabreichen.
  • Ein Glas Wasser bereitstellen.
    Dein Patient soll die Tablette mit einem Glas Wasser einnehmen. Einige Medikamente können nämlich aufgrund mangelnder Flüssigkeitszufuhr an Wirkung verlieren. Achte demnach auch über den Tag darauf, dass ausreichend Flüssigkeit getrunken wird.
  • Kontrolliere vor der Medikamentengabe, dass das Medikament nach ärztlicher Anordnung zur richtigen Zeit eingenommen wird.
  • Halte dir die 5 R Regel vor der Medikamentengabe vor Augen.

Die 5 R-Regel:
Richtiger Patient? Richtiges Arzneimittel?
Richtige Dosierung? Richtige Applikation (Form)?
Richtige Zeit?

Einnahmezeiten:
Wann soll der Patienten die Medikamente einnehmen?
Allgemeine Bedeutungen der Einnahme-Zeiten:
  • Medikamenteneinnahme nüchtern =
    Einnahme morgens, 30-60 Minuten vor dem Frühstück.
  • Medikamenteneinnahme vor der Mahlzeit =
    Einnahme 30 Minuten vor der Mahlzeit.
  • Medikamenteneinnahme zur Mahlzeit =
    Einnahme zur Mahlzeit, oder direkt danach.
  • Medikamenteneinnahme nach der Mahlzeit = Hier ist die ärztliche Anordnung in der Regel gefragt, oder aus der Packungsbeilage zu entnehmen. Gebräuchlich ist eine Zeit von einer Stunde nach der Mahlzeit.
  • Medikamenteneinnahme unabhängig von der Mahlzeit = Hierbei spielt die Nahrungsaufnahme auf die Wirkung des Medikaments keine Rolle und kann sowohl vor, als auch nach dem Essen eingenommen werden.

Wichtig ist, dass die Uhrzeit der Einnahme eingehalten wird und da können Pflegeazubis, die zum ersten Mal in die Patientenakte schauen nicht entziffern was neben dem Kürzel und den Zahlen neben den Medikamenten bedeuten.

Die Medikamentenliste der Patientenakte

Die Bedeutung der Zahlen:

 1 – 0 – 1
bedeutet: Morgens 1 Tablette, mittags keine Tablette, abends 1 Tablette

Beispiel: Simvastatin 20mg 1 – 0 – 0
bedeutet, dass der Patient das Medikament nur 1x morgens erhält.

Steht da stattdessen: Simvastation 20mg 2 – 0 – 1
Würde es bedeuten, dass der Patient nach Anordnung morgens 2 Tabletten erhält (oder umgerechnet 1x 40mg) und abends eine Tablette.“

Ein weiteres Beispiel:
Laxans 10mg Supp.* 1 – 0 – 0

Nun weisst du, dass dein Patient Morgens 10 mg Laxans erhalten soll, erkennst jedoch, dass hinter dem Medikament ein Kürzel steht. Die Kürzel hinter dem Namen des Medikaments beziehen sich in der Regel auf die Darreichungsform (Siehe 5 R Regel).

Kürzel und Beschreibungen der Applikations- und Darreichungsformen

Tab oder Tabl. = Tabletten
Normale Tabletten, die idealerweise mit einem Glas Wasser eingenommen werden sollen.

BTA oder BT = Brausetabletten
Die Brausetabletten werden in einem Glas Wasser aufgelöst. Anschließend wird das Getränk umgerührt und getrunken.

KTA oder KT = Kautabletten
Die Kautabletten werden im Mund zerkaut und runtergeschluckt.

LUT = Lutschtabletten
Die Lutschtabletten werden nicht zerkaut oder direkt geschluckt, sondern wie der Name schon sagt im Mund gelutscht, bis es sich von selbst auflöst.

Ret = Retardtabletten
Die Retardtabletten werden wie normale Tabletten mit einem Glas Wasser eingenommen. Der Unterschied liegt hierbei in der Wirkung.

MTA = Manteltabletten
Manteltabletten sind Medikamente, die als Ganzes eingenommen und geschluckt werden. Sie sind überzogen, sodass keine Auflösung in der Magenpassage stattfindet, sondern erst im Verdauungstrakt und dort die Wirkung erst (verspätet) freigesetzt wird.

DRG oder Drag =Dragees
Sind ebenfalls überzogene Medikamente, die mit mehreren Schichten (meist aus Zucker/-sirup) überzogen sind. Diese säurefeste Ummantelung wird wie die Manteltablette nicht in der Magenpassage freigesetzt.

SUBL = Sublingual
Das Medikament wird unter die Zunge verabreicht, damit es über die Mundschleimhaut schnell resorbiert und aufgenommen wird. Sie wird genutzt, wenn ein schneller Wirkungseintritt erfolgen soll.

INJ = Injektion
Injektion bedeutet wörtlich verabreichen, in der Medizin ist hierbei wird sich auf die Spritze bezogen, die das Arzneimittel „injiziert“.
Die gängigsten Darreichungsformen des Injizierens sind:
i.v. = intravenös (in die Vene)
i.m.= intramuskulär (In den Muskel)
s.c. = subcutan (Unter die Haut)
p.o. = per Os (In den Knochen)

SUPP* = Suppositorien (Zäpfchen)
Suppositorien sind Zäpfchen, die in der Regel rektal eingeführt werden, um eine direkte und schnelle Wirkung zu erzielen. Meist werden Suppositorien bei Fieber, Schmerzen oder Verstopfung eingesetzt.

SUSP oder SUS = Suspension
Ein Suspensionsmittel ist eine Flüssigkeit, in der sich noch feste, nicht gelöste Arzneistoffteile befinden. Vor der Einnahme sollte die Suspension daher kräftig geschüttelt werden, damit sich die festen Stoffanteile gleichmäßig in der Lösung verteilen. Wichtig zu beachten ist, dass das Arzneimittel direkt nach dem schütteln eingenommen/angewandt wird, da sich sonst die einzelnen Bestandteile erneut absetzen.

PAS = Pastillen
Pastillen festgewordene Medikamente, die meistens gelutscht, aber auch gekaut werden können. Hierbei setzt sich langsam der Wirkstoff frei, welches mit dem Speichel von den Schleimhäuten oder durch das gelangen in den Magen aufgenommen werden.

GRA = Granulat
Granulate sind kleine Körner, die einen Wirkstoff beinhalten. Diese können je nach Arzneimittel in Wasser aufgelöst werden und gemischt eingenommen werden, oder auch direkt oral eingenommen werden.

AMP = Ampullen
Ampullen sind in der Regel kleine Behälter aus Glas, die mit einer flüssigen Substanz gefüllt sind. Diese wird an der oberen Markierung aufgebrochen und mit einer Spritze (mit Nadel) aus dem Behälter entnommen, sodass das entsprechende Arzneimittel mit der Spritze injiziert werden kann.

INF = Infusionslösung
Infusionslösungen sind Arzneimittel in einem Infusionsbeutel, die meist mit einem Infusionsbesteck und in aller Regel intravenös verabreicht werden. Hierbei zählen auch Kochsalzlösungen, zur Flüssigkeitsgabe bei Exsikkose (Flüssigkeitsmangel).

EMU = Emulsion
Eine Emulsion ist ein Gemisch zweier Flüssigkeiten, wie Öl und Wasser, die sich eigentlich nicht miteinander vermischen lassen. Durch schütteln und rühren entstehen kleine Tröpfchen, die die Flüssigkeit durch das Licht beim Durchgang trüb erscheinen lässt. Bei der Gabe einer Emulsion ist es wichtig, dass es sofort nach dem Vermengen verabreicht wird, da der gelöste (emulsions-)Zustand keine unbegrenzte Lebensdauer hat. Die Phasen entmischen sich allmählich wieder und die zwei Ausgangsflüssigkeiten lösen die Bindung auf.

LOT = Lotion
Eine Lotion ist eine weiche Form der Salbe, die aus einer Mischung flüssiger mit Wirkstoffen versehenen Tinktur und einer festen Salbe ist. Sie wird zur Reinigung, Behandlung und Pflege der Haut angewendet.

LSG = Lösung
Eine Lösung ist ein Gemisch aus einem festen Arzneimittel und einer Flüssigkeit (Wasser). Hierbei wird die feste Substanz, z.B. Kochsalz in das Wasser gegeben wodurch Salzwaser entsteht. Zusammen ergibt sich ein homogenes Gemisch.

SIR = Sirup
Ein Sirup ist eine dickflüssige Zuckerlösung, die Arzneimittel enthalten. Eingenommen wird das Sirup mit dem mitgelieferten Messbecher oder je nach angeordneter Dosierung (Siehe Abkürzungen der Dosierungen weiter unten).

KLI = Klistier
Ein Klistier ist ein Einlauf, der eine Flüssigkeit über den Anus in den Darm einleitet. Es wird vor allem bei Verstopfung und zur Darmreinigung angewendet. Der Patient soll hierbei versuchen die Flussigkeit so lange es ihm Möglich ist einzuhalten und sich dann ins Bad begeben. Der Kreislauf des Patientien ist anschließend uu beobachten, da aufgrund der massiven Entleerung der Kreislauf sinken kann.

INH = Inhalat (Inhalation)
Inhalationen können beispielsweise in Form einer Sauerstoffinhalation erfolgen. Hierbei wird NaCl, Salbutamol, oder Atrovent in den Behälter der Sauerstoffmaske aufgefüllt. Anschließend wird die Sauerstoffmaske angelegt und der Sauerstoffregler aufgedreht, sodass das entsprechende Mittel verdampft und über die Maske eingeatmet werden kann.
Handelt es sich um Cortisol-Inhalatoren, so sollte der Inhalator vor gebrauch geschüttelt und mit einem kräftigen Stoß für 10-15 Sekunden eingeatmet und angehalten werden. Anschließend soll der Patient den Mund ausgespülen, etwas trinken, oder sich die Zähne putzen, um Cortisolreste in der Mundhöhle zu beseitigen.

KON = Konzentration/ Konzentrat
Ein Konzentrat ist ein Pulver oder eine Flüssigkeit, die einen Stoff in hoher Konzentration ernthält. Demnach ist der Inhaltsstoff in einer hohen Stoffdichte, oder auch in Reinform enthalten, was bedeutet, dass die Wirkung vergleichsweise stark.

Weitere Kürzel:

PFL = Pflaster
SHA = Shampoo
SAL = Salbe
TR oder TRO = Tropfen
OT = Ohrentropfen
NSP = Nasenspray

Abkürzungen der Dosierung

ML = Messlöffel
Tgl. Oder tägl. Oder /d = Täglich bzw. Pro Tag. D steht dabei für Day (Tag auf englisch)
bds. = beidseits
i.E. = Internationale Einheit (Injektionseinheit)
Dos = Dosierung
TMD oder … max. = Tagesmaximaldosis bzw. maximal die Menge, die als Zahlt davor steht.
MB = Messbecher
EL = Esslöffel (15ml)
TL = Teelöffel (5ml)
k.A. = Keine Angabe
BTM = Betäubungsmittel

Auf manchen Stationen können Medikamenten, die der Arzt angeordnet hat abweichen. Hierbei werden stationsüblich Ersatzpräparate mit anderen Namen genutzt werden, da sie beim Einkauf meist günstiger sind.

Beachte hierbei, dass es je nach Funktionsabteilung Abweichungen geben kann. In den meisten Stationen gibt es hierfür einen Ersatzmedikamentenplan, in dem beschriebene Wirkstoffe durch andere Anbieter mit anderem Namen aufgelistet sind.

Ein Auszug meiner Kürzel, die sich seit Beginn der Ausbildung angesammelt haben:

ASS = Acetylsalicylsäure
MCP = Metoclopramid
Delix = Ramipril
Mesalazin = Claversal
Restex = Madopar T
Espumisan = Simethicon
Salofalk = Claversal
Carbadura = Carbamazepin
Doxagamma = Doxazosin
Doxepin = Deneurin
Atorvastation = Simvastatin
Risperdal = Risperidon
Torasemid = Torem
Lyrica = Pregabalin
Lorzaar = Lorsartan
Sitagliptin = Januvia
Ibersartan = Aprovel
Lorazepam = Tavor
Seroquel = Quentiapin
Falithrom = Marcumar

Diese Auflistung ist eine Zusammensetzung meines ersten Praxisjahres. Die Notizen standen in meinem Notizheft, welches ich zu Beginn meiner Ausbildung begonnen habe. Sie diente mir in den ersten Jahren als ideale Gedächtnisstütze.
Falls du wissen möchtest wie mein Notizheft aussah kannst du den Beitrag gerne hier lesen.

Dieser Beitrag soll dir helfen leichter in die Praxis als Gesundheits- und Krankenpfleger, oder als Altenpfleger/in, Assistentin und Pflegehelfer zurecht zu kommen.

Damit wir gemeinsam besser pflegen.

 

Dein Gesundheitsberater und Krankenpfleger,

Fabio D‘Adamo

 


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