Malnutrition – 10 Tipps zur Prophylaxe gegen Mangelernährung

Die Mangelernährung ist ein Problem im hohem Alter, welches bis zur Kachexie (Magersucht) führen kann. Es kann zu Verwirrtheit, Veränderungen der Hautbeschaffenheit (Hautfalten) und eingeschränkter Mobilität führen. Doch was sind die Gründe für die verminderte Aufnahme? Und vor allem, was kannst du dagegen tun, um deinen Angehörigen von der Mangelernährung zu schützen?Einfach das Essen vorzubereiten reicht in den meisten Fällen nicht aus, denn psychische Ursachen sind ebenfalls ein Schwerpunkt dieser Erkrankung.

* Im Folgenden ist der Text zum leichteren Verständnis
 in der männlichen Form geschrieben,
gilt jedoch zugleich für die weibliche.

Für die Mangelernährung gibt es 2 Hauptursachen:

  1. Der Betroffene kann nicht essen, oder
  2. Der Betroffene will nicht essen.

Die 10 Tipps zur Prophylaxe gegen Mangelernährung

  1. Um nachvollziehen zu können, weshalb der Betroffene keine Nahrung zu sich nimmt ist zu Beginn das offene Gespräch eine gute Maßnahme. Häufig äußert er sein Unbehagen, welches zugleich Grund für die verminderte Nahrungsaufnahme sein kann.
  2. Als nächstes kannst du dieses Problem beobachten, um zu erkennen, ob die Mangelernährung tatsächlich an dieser Beklemmung liegt.

Die folgenden Probleme gehören zu den am häufigsten Erwähnten und sollten, um die Malnutrition zu beheben, beseitigt werden.

 A) Körperliche Problemfälle

  1. Der Betroffene kann nicht kauen. Die Ursachen dieses Problems liegen entweder an den Zähnen (der Betroffene keine Zahnprothese anhat) oder der Betroffene besitzt keine gefestigten Zähne mehr, die das Kauen von Nahrung ermöglichen. Zudem kann es an der motorischen Einschränkung des Kiefers liegen, bedingt durch Störquellen des Bewegungsapparates oder der Muskulatur.
    Im ersten Fall sollte die eigene Zahnprothese angezogen werden. Besonders in der Klinik wird diese Maßnahme nicht immer durchgeführt, wodurch sich der Kiefer verformen und sich die Muskulatur zurückbilden kann. Die Zahnprothese sollte daher jeden Tag angezogen, sowie normale bzw. Wunsch-Nahrung eingenommen werden, damit der Betroffene die normale Essgewohnheit und das Kauen aufrechterhält.
  2. Mangelnde Motorische Fähigkeiten, z.B. der Hände erschweren das eigenständige Verzehren von Nahrung. Falls diese Einschränkung mit dem Bewegungsapparat (wie z.B. bei Parkinsonpatienten) eingeschränkt ist, so kann die Lösung das passende Besteck sein, welches durch einen breiteren Griff das Festhalten erleichtert und somit die Eigenständigkeit fördert.
    Ist jedoch die mangelnde Kraft das Problem, so sollte eine Hilfskraft engagiert werden, die bei der Nahrungsaufnahme zur Seite steht. Hierbei ist es nützlich das natürliche Bewegungsmuster weiter zu fördern und das Besteck in der Hand des Betroffenen zu legen. Hierbei kann gemeinsam die Nahrung vom Teller zum Mund zu geführt werden. Der Betroffene nimmt dadurch die Bewegung der Nahrungsaufnahme bewusster wahr und aktiviert die Erinnerung an die Bewegung der Kaumuskulatur und der Speichelproduktion, die beim Essen notwendig ist, um ein Verschlucken zu verhindern.
    Schluckstörung: Diese Beeinträchtigung tritt häufig bei neurologisch Erkrankten, oder bei Betroffenen mit Bewusstseinstörungen auf. Der Betroffene verschluckt sich, hustet und kann hierbei Flüssigkeit aspirieren.
    Falls dein Angehöriger dieses Problem hat, hilft es dickflüssige Nahrung anzubieten, anstatt Flüssige. Die Körperposition bei der Nahrungsaufnahe spielt ebenfalls eine entscheidende Rolle, denn im Liegen, oder in einer anderen halbsitzenden Position aspiriert der Betroffene häufiger, als sitzend bei aufrechtem Oberkörper mit festem Halt unter den Armen. Zudem sollte der Löffel nur halbvoll sein, sodass genügend Zeit zum Schlucken besteht. Beim Trinken ist es außerdem wichtig nur kleine Schlucke anzubieten.  Außerdem sollte nach dem Essen der Oberkörper noch mindestens 30 Minuten aufrecht gelassen werden, damit das Geschluckte nicht zurückfließt, welches zur Gefahr einer Aspiration führt.
  3. Blähungen führen zu schnellem Sättigungsgefühl und Unbehagen. Zudem spricht der Betroffene ungern über dieses Problem. Hierbei hilft eine entgegenkommende Frage, ob es an den Blähungen liegen könnte.
    Die Maßnahme dagegen wäre, deinen Angehörigen zu Fragen, nach welcher Mahlzeit die Blähungen auftauchen. Meist lassen sich Ursachen erkennen, wie Milch, oder frittierte Speisen.
    Die Aufnahme mehrerer kleiner Mahlzeiten kann hierbei helfen. Außerdem tragen Bewegung an der frischen Luft und Heilpflanzen wie Fenchel, Anis und Kümmel dazu bei krampflösend zu wirken und den Verdauungstrakt anzukurbeln.
    Blähungen sind also nichts Besorgniserregendes. Kommt es jedoch häufiger vor, so kann dein Angehöriger einen Termin beim Arzt veranlassen, um sich auf mögliche Unverträglichkeiten zu testen.
  4. Schmerzen können, ähnlich wie Blähungen, durch die Nahrung hervorgerufen werden. Zusätzlich spielt in den meisten Fällen auch der Stress eine Rolle. Die ausgeschütteten Stresshormone sorgen dafür, dass der sauerstoffträger Blut aus dem Magen-Darm-Trakt entzogen wird, um Herz und Lunge vermehrt zu versorgen (Stresssituation). Dadurch stellt der Darm die Tätigkeit Nahrung zu transportieren ein.
    Bei Schmerzen ist es immer ratsam den Arzt aufzusuchen, der die Darmfunktion überprüft und mögliche Erkrankungen ausschließt.

Wichtig: Dein Angehöriger soll über die belastende Situation, die ihn stresst reden. Der Hausarzt kann anschließend nicht nur Medikamente verschreiben, sondern auch Therapien oder Verhaltenstipps mitgeben, die einen stressfreien Umgang fördern.

Du kannst zusätzlich dafür sorgen mit deinem Angehörigen eine stressfreie Umgebung zu schaffen und ihn bei Schmerzen bei Seite stehen.

B) Unlust/ Psychische Problemfälle

  1. Essen schmeckt nicht. Oft essen hochbetagte Personen einige Lebensmittel nicht. Entweder schmecken sie nicht, oder es fällt ihnen schwer diese gut zu verdauen, sodass sie ihnen nicht gut bekommen.
    Dieses Problem lässt sich mit der ersten Maßnahme, dem offenen Gespräch am einfachsten lösen. Erfrage hierbei die Vorlieben und gehe den Wünschen soweit wie möglich entgegen, damit sich eine Mangelernährung nicht entwickelt.
  2. Unpassende Umgebung und Einsamkeit. Diese zwei Probleme sind häufiger anzutreffen. So sind im Krankenhaus ungünstige Räumlichkeiten, Hektik des Personals oder auch ungesittete Zimmernachbarn ein Hinderungsgrund zur Nahrungsaufnahme. Doch auch außerhalb des Krankenhauses ernähren sich immer mehr Hochbetagte nicht ausgewogen. Grund hierfür ist die Einsamkeit. Du kennst es vermutlich selbst, wenn keiner zu Besuch kommt, dann räume ich auch nicht richtig auf. Das selbe lässt sich auf das Kochen und der Nahrungsaufnahme übertragen. Der Betroffene vergisst einzukaufen, oder zu kochen, wodurch Mahlzeiten ausfallen. Besonders bei Hochbetagten könnten diese ersten Anzeichen einer beginnenden Demenz sein.
    Sorge dafür, dass eine angenehme Umgebung beim Essen herrscht. So kannst du in Krankenhäusern deinen Angehörigen an gemeinsame Essgruppen begleiten, oder in den Esssaal des Krankenhauses. Ebenso freut sich dein Angehöriger immer über mitgebrachtes Essen, welches in den meisten Fällen eine willkommene Alternative zum Krankenhausessen ist.
    Um die Einsamkeit, oder das Vergessen des Einzukaufens im Alter entgegenzuwirken, bietet sich heutzutage das Essen auf Rädern an, bereits vollwertige Gerichte nach Hause zu liefern. Alternativ kannst du dich auch mit deinen Familienmitgliedern organisieren, an festen Tagen bei deinem Angehörigen zu kochen und gemeinsam zu essen, oder erinnerst ihn (ebenfalls an festen Zeiten) durch Anrufe daran zu Essen.

Unter:  https://www.ihr-menueservice.de/?gclid=EAIaIQobChMIjKqN5t-U3QIVXYuyCh0v0A55EAAYASAAEgIg2_D_BwE bietet Essen auf Rädern täglichen Lieferservice bis an die Haustür an. Die Gerichte kannst du gemeinsam mit deinem Angehörigen auswählen.

  1. Armut im Alter. Ein Thema, mit dem sich die ältere Generation nicht genügend befasst hat, sind Finanzen. Die Rente hält entgegen der Erwartung der hochbetagten Menschen den Lebensstandard nicht auf. So waren bereits im Jahr 2016 in Deutschland 19,7 Prozent der Menschen von Armut oder sozialer Ausgrenzung betroffen und die Zahl der Altersarmut steigt. Die Lebensmittel, die mit dem geringen Budget eingekauft werden decken kaum die Nährstoffe. Die Unwissenheit über wichtige Mineralien und Vitaminen, sorgen ebenfalls für eine Mangelernährung. Das niedrige Budget reicht nicht aus, um vitaminreiche Nahrung einzukaufen.

Wissenswertes nebenbei: Die offizielle Armutsgrenze in Deutschland wird mit rund 890 € monatlich definiert. Stand heute ist der Durchschnitt aller Rentner 869€ (Männer: 1013€; Frauen: 762€).

Quelle: https://www.economy4mankind.org/de/altersarmut-fakten-zahlen/

Die Bevölkerung in Deutschland stand Ende 2016: 82,52 Millionen
Menschen von Armut oder sozialer Ausgrenzung betroffen: 16,25 Millionen

Quelle: statistika.com

Schaue dir die Essgewohnheiten deines Angehörigen an. Kaufe falls notwendig ein, wenn du ihn besuchen gehst, oder bereite etwas vor.
Eine Alternative wäre die Nutzung sogenannter Apps, die zur Rettung noch guter Lebensmittel dient. So ist die App: Too Good To Go* eine Möglichkeit aus benachbarten Läden nicht verkaufte Ware wie Brot oder ähnliches, die noch gut sind für einen sehr günstigen Preis zu erhalten. Dies spart den Geldbeutel und kann hochbetagten Menschen, die in Armut leben helfen.

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  1. Polypharmazie in Alter. Viele verschiedene Medikamente, die ein Mensch im Laufe der Zeit verschrieben bekommt verursachen Nebenwirkungen wie schnelles Sättigungsgefühl, Sodbrennen oder einen Reizdarm. Dies kann daran liegen, dass zur bisherigen Therapie neue Medikamente ergänzt werden, ohne die Wechselwirkung aller Präparate zu überprüfen.
    Hierbei kannst du in erster Linie deinen Angehörigen mit Tipp 1 und 2 helfen, indem du fragst, wann z.B. Schmerzen auftreten, die die Nahrungsaufnahme behindern. Zugleich kannst du, oder falls möglich dein Angehöriger selbst beobachten, ob es mit der Einnahme der Medikamente zusammenhängt, oder dieses Problem erst aufgetreten ist, seitdem er dieses Medikament nimmt. Falls sich Gemeinsamkeiten aufzeigen, ist dies dem Hausarzt mitzuteilen, der die Medikamente ggf. umstellen kann, sodass möglichst keine Wechselwirkungen der einzelnen Medikamente auftreten.

Eine Mangelernährung entsteht, wenn ein Mensch seinen täglichen Bedarf notwendiger Nährstoffe nicht deckt. Die Folgeerkrankungen einer Gastritis (Magenschleimhautentzündung), einem Osöphagustumor (Speisenröhrenkrebs), oder einer Pilzinfektion der Mundschleimhaut (Soor) führen zu einer Abwärtsspirale, die die Nahrungsaufnahme verschlimmern.

Nutze diese Tipps zur Prophylaxe, um die Folgeerkrankungen einer Malnutrition zu verhindern.
Damit wir gemeinsam besser pflegen.

 

Dein Gesundheitsberater und Krankenpfleger,

Fabio D‘Adamo

 

 


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