Inkontinenzformen – Die wichtigsten Probleme und Maßnahmen

Inkontinenzformen – die wichtigsten Ursachen und Symptome die Sie wissen sollten, kurz und knapp erklärt.
Inkontinenzformen Symptome Ursache
Belastungsinkontinenz/ Stressinkontinenz Urinverlust bei körperlicher Belastung (Niesen, Husten, Lachen) ohne vorheriges Dranggefühl. Übergewicht (Adipositas), Schwangerschaften/ Entbindungen – Unzureichender Blasenverschluss durch verminderte Beckenbodenmuskulatur
Dranginkontinenz/ Urgeinkontinez Plötzlicher, starker Harndrang. Harndrang kann nicht, oder nur ungenügend unterbrochen werden. Apoplex; Querschnittslähmung; Harnwegsinfekt; Blasensteine; Reizzustände der Blase durch Verstopfung, Harnwegsinfekt, Blasensteine, Einnahme von Medikamenten, Alkohol, Koffein
Mischinkontinenz Unfreiwilliger Urinverlust mit Harndrang, welches nicht unterdrückt werden kann – bei Belastung. Siehe Belastungs- und Stressinkontinenz.
Überlaufinkontinenz Tröpfelnder Urinverlust bei voller Blase, ohne dass diese richtig entleert werden kann. Physiologische Altersveränderung; Vergrößerung der Prostata; Schwäche des Blasenmuskels (Detrusorhypoaktivität)

 

Reflexinkontinenz/ Neurogene Inkontinenz Blase entleert sich selbständig, sobald sie einen bestimmten Füllungszustand erreicht hat. Querschnittslähmung; Medikamente; psychische Belastungen
Funktionelle Inkontinenz Unfreiwillige Urininkontinenz durch körperliche Beeinträchtigung der Mobilität oder durch kognitive Defizite. Eingeschränkte Äußerungsfähigkeit z.B durch Demenz, Schlaganfall, geistige Behinderung, Verwirrtheit/ Delir, oder nach postoperiven Eingriff der unteren Extremitäten
*Extraurethrale Inkontinenz Beobachtbarer ständiger Urinverlust über andere Kanäle als über die Harnröhre (z.B Blasen-Scheiden-Fistel) Angeborene Fehlmündung des Harnleiters; Fistelbildung
Nykturie Nächtliches Wasserlassen Siehe Dranginkontinenz; Trinkverhalten
Checkliste –  Probleme und Maßnahmen bei welcher Inkontinenzform?


Belastungsinkontinenz
Problem:
– Ungewollter Harnverlust, durch verminderte Beckenbodenmuskulatur.

Pflegerische Maßnahmen:
Geben Sie Ihren Patienten Information über die Wichtigkeit der Beckenbodenmuskulatur.
– Weiterhin ist für die Stärkung der Beckenbodenmuskulatur das Beckenbodentraining unabdingbar, durch die Kräftigung schlaffer Beckenbodenmuskeln lässt sich der Urinstrahl wieder unterbrechen.
– Ein weiterer Punkt ist die Gewichtsreduktion, die durch eine Beratung zu Ernährung und Bewegung eingeleitet werden soll.
– Das richtige Heben aus den Beinen, statt aus dem Rücken können Sie Ihren Patienten aufzeigen. Das schont nicht nur den Rücken, sondern verteilt auch den Druck bei Belastung, sodass ein unwillkürlicher Verlust an Urin vermindert wird.

Dranginkontinenz
Problem:
– Erkrankung des ZNS, die zu einer Überaktivität des Blasenmuskels (Detrusor) führt. Fehlende neuronale Impulse zur Kontraktion der Beckenbodenmuskulatur.

– Erhöhter Reizzustand der Blase durch Flüssigkeitsmangel, Bakterien und Steine. Die ungelösten Stoffe in der Blase sorgen für eine Reizung, die als Reaktion eine spontane Kontraktion des Blasenmuskels hervorruft.

– Die Einnahme von harnfördernde Medikamente, wie z.B. Diuretika, sowie das Konsumieren von übermäßigem Koffein, Alkohol und Tee treiben die Ausscheidung an, sodass ein häufiger Toilettengang notwendig ist, welches im Alter nicht immer rechtzeitig aufgesucht werden kann.

Pflegerische Maßnahmen:
– Achten Sie auf nonverbale Äußerungen Ihres Patienten (Nesteln, Unruhe)
– Stellen Sie Ihm die Klingel griffbereit
– Fragen Sie in regelmäßigen Abständen, ob Ihr Patient Urin nun lassen muss und unterstützen Sie Ihm dabei
– Bieten Sie Ihm Inkontinenzeinlagen an.

– Im Gegenteil zu dem weitverbreiteten Irrglauben sorgt eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr dafür, dass sich die Stoffe in der Blase lösen, sodass eine Reizung und eine damit verbundene ungewollte Entleerung verhindert werden kann. Daher ermuntern Sie Ihrem Patienten stets zum trinken auf.

„Quicktipp: Weniger Wasser trinken verringert NICHT die Ausscheidung, das ist ein Irrglaube.“

– Geben Sie Ihren Patienten Informationen über harntreibende Substanzen an die Hand
– Sprechen Sie mit Ihrem Patienten über die Reduzierung dieser Substanzen, falls ein Übermaß konsumiert wird
– Unterstützen Sie Ihren Patienten bei dem Toilettengang.

 Mischinkontinenz
– Siehe Belastungs- und Dranginkontinenz.

 

Überlaufinkontinenz
Problem:
– Restharnbildung
– Übermäßiges Pressen beim Wasserlassen
– Vermehrtes Gefühl von Harndrang und der nicht vollständig entleerten Blase

Pflegerische Maßnahmen:
– Legen Sie ein Miktionsprotokoll*an. Erfassen Sie das Ausscheidungsvolumen ihres Patienten und überprüfen Sie dadurch den Restharn. Bei verminderter Miktion informieren Sie den betreffenden Arzt ggf. ist ein Ultraschall notwendig, zur näheren Diagnostik.
– Sorgen Sie für weichen Stuhlgang z.B. mit Movicolbeutel, um einen weiteren Faktor des übermäßigen Pressens zu verhindern.


Reflexinkontinenz
Problem:
– Erkrankung des ZNS (Siehe Dranginkontinenz)
– Spasstik des Blasenmuskels
– Medikamente wie Schmerzmittel und Neuroleptika wirken auf die Rezeptoren des Blasenmuskels, sodass dieser erschlafft.
– psyschiche Belastung. Der Patient verliert die Kontrolle über die willkürliche Blasenentleerung aufgrund von Hirnleistungsstörungen (Alzheimer, Demenz, Parkinson, Schlaganfall, Depression)

Pflegerische Maßnahme:

– Achten Sie auf nonverbale Äußerungen Ihres Patienten (Nesteln, Unruhe)
– Stellen Sie Ihm die Klingel griffbereit
– Fragen Sie in regelmäßigen Abständen, ob Ihr Patient Urin nun lassen muss und unterstützen Sie Ihm dabei
– Bieten Sie Ihm Inkontinenzeinlagen an.
– Ermöglichen Sie Entleerung durch Stimulation. Klopfen der Blase, eine Elektrostimulation und das Laufenlassen das Wasserharn sind sogenannte „Triggerfaktoren“, die eine Urinausscheidung begünstigen
– Wenn nichts weiter hilft, sprechen Sie mit Ihrem Arzt und schließen Sie andere Inkontinenzformen (bis auf Überlaufinkontinenz) aus und verschaffen Sie Abhilfe über einen Katheter. Sie können den Patienten einmal  katheterisieren und Ihn dazu anleiten, oder einen Dauerkatheter anlegen.


Funktionelle Inkontinenz
Problem:
– Ihr Patient äußert keine Hilfe, um Urin zu lassen.

Maßnahmen:
– Auf nonverbale Äußerungen achten (Nesteln, Unruhe); Klingel bereitstellen; in regelmäßigen Abständen erfragen und verdeutlichen, ob Urin nun gelassen werden muss und dabei unterstützen,

Toilettentraining; nonverbale Zeichen vereinbaren; Angehörige beraten und Anleiten und falls Bedarf zum Nachlesen besteht, auf meine Webseite verweisen.


Extraurethrale Inkontinenz
Problem:
Ungewollter Austritt von Urin, nicht von der Harnröhre ausgehend.
Maßnahme:
Beobachtung; Patienten befragen, ob dies bekannt ist; Arzt information über Farbe, Geruch, Konsistenz, Menge des Urins.


Nykturie
Problem:
Das nächtliche Wasserlassen ist an sich keine Inkontinenzform, sondern eher ein Symptom. Dennoch führt es zu ungenügend Schlaf, Antriebslosigkeit am Tag, sowie zu Entzündungen des Genitalbereichs bei unzureichender pflegerischer Versorgung.

Maßnahmen:
Ein und Ausfuhrkontrolle, um das Trinkverhalten zu beobachten; Überblick der Medikamente, ob beispielsweise Diuretika am Nachmittag oder Abends eingenommen werden; 3-4 Stunden bevor zu Bett gegangen wird, keine Flüssigkeitszufuhr; bei Männern – Anlegen eines Urinalkondoms.

 

*Miktionsprotokoll
Gibt einen Überblick Ein- und Ausfuhrverhalten des Patienten über 24 Stunden.
Es enthält: Uhrzeit, Urinmenge beim Zeitpunkt des Wasserlassens, Trinkverhalten = Flüssigkeitseinfuhr und ggf. Art des Urinabgangs (kontrolliert/unkontrolliert)

 

Da die Inkontinenzform nicht immer klar erkennbar ist, können die beschriebenen Ursachen, Probleme und Maßnahmen auch auf eine andere Inkontinenzform angewandt werden. Da es individuell von Patient zu Patient abhängt.

 

Je mehr Sie wissen, desto besser können Sie helfen.

Ihr Gesundheitsberater und Krankenpfleger,

Fabio D’Adamo

 

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