Fingernägel schneiden in der Pflege, darf man das?

„In der Pflege befindet sich die Pflegekraft mit dem halben Bein im Gefängnis.“

Dieses Sprichwort hast du vielleicht auch schon in der Ausbildung zu hören bekommen. Ein Grund spielt die enge Verzahnung zwischen Körperpflege und Körperverletzung.

Dürfen Pflegekräfte die Fingernägel der Patienten/ Bewohner schneiden?
Diese Frage wurde von Pflegekräften und auch von Lesern dieser Webseite gestellt. Das Thema des Fingernägelschneidens ist zu einem Problem geworden.
Einerseits sammeln sich unter den Fingernägeln Bakterien an, die zu Entzündungen und Infektionen führen können. Andererseits soll das Schneiden der Fingernägel verboten sein, aus haftungsrechtlichen Gründen.

Pflegeabc klärt auf …

Die rechtlichen Hintergründe und Fakten:

Im Sozialrecht ist die Grundpflege (§ 14 Abs. 4 SGB XI) mit folgenden Tätigkeiten verbunden: Waschen, Duschen, Baden, die Zahnpflege, das Kämmen, Rasieren, die Darm- oder Blasenentleerung. Die Nagelpflege wurde nicht in das Gesetz übernommen, da nur Tätigkeiten des täglichen Lebens berücksichtigt werden sollten, die regelmäßig und wiederkehrend anfallen. Somit ist in Krankenhäusern oder anderen klinischen Einrichtungen das Schneiden der Fuß- und Fingernägel nicht in der Grundpflege enthalten. Der Patient muss daher die Kosten der Nagelpflege selbst tragen.

Für Pflegekräfte in Krankenhäusern kann diese Tätigkeit als „zusätzliche Pflegetätigkeit“ erfasst und vom Träger/ Arbeitgeber abgerechnet werden.

Doch ganz so einfach ist es dann doch nicht. Viele klinische Einrichtungen verbieten dem Pflegepersonal das Schneiden der Finger- und Fußnägel.
Der Hintergrund ist folgender. Das Schneiden der Fußnägel ist grundsätzlich risikobehaftet und vor Allem in klinischen Einrichtungen sind diese risikobehafteten Patienten und Bewohner aufzufinden.

Stoffwechselerkrankungen, Durchblutungsstörungen, Nervenschädigungen, Diabetes mellitus, ein geschwächter Organismus, Blutungsneigungen, Langzeittherapie durch die Einnahme von Medikamenten, sowie verformte und veränderte Fußnägel können bei einer nicht fachmännischen Durchführung zu Mikroläsionen und Verletzungen am Fuß führen.

Im schlimmsten Fall kann sich der Fuß unbemerkt entzünden, welches zur Minderdurchblutung und Absterben des Gewebes führt.

Was solltest du nun als Azubi oder Pflegekraft tun?

Zunächst ist es wichtig zu wissen, wie dein Träger zu dem Thema der Nagelpflege steht. Ist dies in deiner Einrichtung erlaubt, oder wird es grundsätzlich untersagt? Kläre daher die rechtliche Grundlage mit der Pflegedienstleitung deines Arbeitgebers ab.

„Grundsätzlich gilt: Die Fußpflege ist eine pflegerische Tätigkeit.
Fußbäder, sowie das Eincremen der Füße ist erlaubt.“

Erlaubt dein Arbeitgeber die Nagelpflege, solltest du die Nagelpflege stets behutsam ausführen.

Nutze die Feile

Zu deiner eigenen Vorsicht solltest du grundsätzlich die Finger- und Fußnägel feilen. Dies mindert das Verletzungsrisiko. Entsteht nämlich aufgrund des Fingernägelschneidens eine Verletzung, so ist die Pflegekraft in der Durchführungsverantwortung und wird damit beschuldigt.
Lieber etwas zu wenig abfeilen, als zu viel abzuschneiden, denn im schlimmsten Falle können sich diese Mikroläsionen zu echten Wunden entwickeln, die nicht nur den Patienten schaden, sondern auch dem Träger (Arbeitgeber) zusätzliche Behandlungskosten beschert.

„Ein Pflege-Grundsatz: Füge keinen Bewohner/ Patienten Schaden zu.“

Medizinische Fußpflege (Podologie)

Fallen dir die oben genannten risikobehafteten Faktoren bei einem deiner Patienten/Bewohner auf, der eine Nagelpflege benötigt, so kannst du auf Wunsch des Patienten (oder dessen Angehörige) den medizinischen Fußpflegedienst bestellen. Diese fahren in der Regel zu den Betroffenen nach Hause oder in die klinische Einrichtung. Informiere deinen Patienten/Bewohner, dass die Fußpflege finanziell nicht übernommen wird und von ihm selbst bezahlt werden muss.
Zu den Fußpflegeleistungen fallen auch die Behandlung eingewachsener, oder eingerollter Fingernägel, das Anlegen eines künstlichen Nagelersatzes; das Abtragen von Hornhaut und nach ärztlicher Anweisung: das fachgerechte Entfernen und Behandeln von Hühneraugen und Warzen.

Damit wir gemeinsam besser pflegen.

 

Dein Gesundheitsberater und Krankenpfleger,

Fabio D‘Adamo

 

 

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Bitte füllen Sie dieses Feld aus
Bitte füllen Sie dieses Feld aus
Bitte gib eine gültige E-Mail-Adresse ein.

Menü