Expertenstandards in der Pflege, wofür sind sie gut?

Was sind Expertenstandards?

Die Expertenstandards sind in der Pflege besonders von Bedeutung, da sie als Handlungsrichtlinien für professionelle Pflege dienen. Sie beinhalten die neusten evidenzbasierten Erkenntnisse und bieten mit ihren Rahmenbedingungen, Anforderungen und Evaluation ein einheitliches Qualitätsniveau.

Sie dienen als einheitliche Grundlage zur Bewertung von Pflegeeinrichtungen und dienen den Einrichtungen als „vorweggenommenes Sachverständigengutachten“ nach dem gesetzlich gearbeitet werden muss. Außerdem sorgt die Einhaltung des Expertenstandards für weniger Beschwerden, bzw. zur schnelleren Lösungsfindung, da Risiken schneller erkannt werden und eine rasche Korrektur vorgenommen werden kann (Beispiele, siehe später).

Wie viele gibt es von ihnen?

Gegenwärtig ergeben sich (stand 10.11.2020, Quelle: aok-Verlag.Info) folgende relevante Expertenstandards, die aktuelles Fachwissen bündeln und als Handlungsempfehlung für professionelle Pflege dienen:

  1. Dekubitusprophylaxe in der Pflege
  2. Entlassungsmanagement in der Pflege
  3. Der ursprüngliche Expertenstandard „Schmerzmanagement in der Pflege bei akuten Schmerzen“ wurde 2011 erstmals aktualisiert. Dieser Expertenstandard wurde zusammen mit dem Expertenstandard „Schmerzmanagement in der Pflege bei chronischen Schmerzen“ seit 2018 aktualisiert. Seit August 2020 gibt es nur noch den gemeinsamen Expertenstandard „Schmerzmanagement in der Pflege“. Dieser soll ab September 2020 auch in der Praxis erprobt werden.
  4. Sturzprophylaxe in der Pflege
  5. Förderung der Harnkontinenz in der Pflege
  6. Pflege von Menschen mit chronischen Wunden
  7. Ernährungsmanagement zur Sicherstellung und Förderung der oralen Ernährung in der Pflege
  8. Erhaltung und Förderung der Mobilität in der Pflege
  9. Beziehungsgestaltung in der Pflege von Menschen mit Demenz

Weitere Expertenstandards:

10. Förderung der physiologischen Geburt (Sonderdruck – Veröffentlichung 2014)

*11. Erhaltung und Förderung der Mundgesundheit in der Pflege (2019 begonnen, geplante Konsensuskonferenz ist für März 2021 geplant).

„Alle Expertenstandards sind mit der Rechtskraft des Pflege-Weiterentwicklungsgesetz spätestens nach 5 Jahren hinsichtlich einer notwendigen Aktualisierung zu überprüft.“

Wie wirken Expertenstandards in der Praxis?

Die Anforderungen der Expertenstandards sorgen für kontinuierliche Weiterentwicklung und Fortbildungen der Pflegekräfte, sodass sie stets nach dem aktuellen Pflegefachwissen handeln. Dies treibt die Professionalisierung voran. Beispiel:
1. Durch das geschulte Auge der Mitarbeiter aufgrund vorausgegangener Schulungen kennt der Mitarbeiter die ersten Anzeichen einer Destabilisierung des Schmerzzustandes. Hierbei kann die Pflegekraft das Wissen aus den Schulungen anwenden und entsprechende Maßnahmen einleiten.
Ggf. Gabe der Bedarfsmedikation sofern verordnet, Erfassung der Schmerzintensität mittels Assessments, Weiterleitung und Kommunikation mit zuständigen Ärzten und Angehörige für weitere Versorgungen, …

2. Durch strukturierte Fallbesprechungen lassen sich Komplikationen und Pflegeprobleme personenbezogen besprechen, sodass eine bessere individuellere Pflege erfolgen kann. Mitarbeiter wissen dadurch besser über die persönlichen Eigenschaften der Patienten/ Bewohner Bescheid und können durch Vorschläge des Teams eine komplikationsarme Pflege durchführen.

Anhand dieser beiden Beispiele ist zu erkennen, dass Expertenstandards in der Pflege nicht nur theoretische Konstrukte sind, sondern auch praktisch hilfreich sind, um die Professionalität in der Pflege voranzutreiben.

Damit wir gemeinsam besser pflegen.

Dein Gesundheitsberater und Krankenpfleger,

Fabio D‘Adamo


Welche Bücher ich für die Pflege nutze und wärmstens weiterempfehlen kann:

Und für alle die sich mehr für Expertenstandards und Dokumentation in der Pflege interessieren:

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