10 Tipps zur Deprivationsprophylaxe

Deprivation ist ein Gefühl der Einsamkeit, welches am häufigsten im Alter auftritt.
Hochbetagte und vor allem Rentner/innen haben nicht mehr das Gefühl, mit dem Lebensfluss verbunden zu sein. Sie werden, trotz guter Absichten darum gebeten von ihrem Zuhause auszuziehen und lieber einen Platz im Pflegeheim anzunehmen. Spätestens ab hier beginnt die Isolation aus dem gewohnten Umfeld.

Die Betroffenen werden von alltäglichen Aktivitäten behütet bzw. ausgeschlossen und die Trennung von der Familie und der Gesellschaft führt zur Antriebslosigkeit.
Zudem führt die fehlende Geborgenheit zu ein gemindertes Selbstvertrauen und der Betroffene traut sich immer weniger selbst zu. Besonders Personen die bereits Hör- und Sehschäden haben, allgemein erkrankt sind, oder auch in Armut leben fühlen sich schnell allein gelassen.
Die Folge: Kaum sind die Verbindungen unterbrochen, weil sie sich ins Altersheim zurückziehen oder dahin abgeschoben fühlen, geht es mit ihrem Lebenswillen bergab.

Es kommt zu Entwicklungsverzögerungen zurück zum Kindheitsverhalten und zum Verlust kognitiver, wie auch körperlicher Fähigkeiten.

„Deprivation ist die Vereinsamung, meist im hohem Alter, welches zu Allgemeinverschlechterungen, Antriebslosigkeit, Lustlosigkeit bis hin zu lebensbedrohlichen psychischen Erkrankungen führt.“

Eine Person ist depriviert, wenn sie nur noch wenige Reize von ihrer Umwelt aufnimmt bzw. eine fehlende Befriedigung von wesentlichen Bedürfnissen, wie Nähe, Geborgenheit und soziale Kontakte spürt.
Der Mensch braucht nämlich das Gefühl, gebraucht zu werden, um anderen zu dienen.

Solange alte Menschen noch Verbindung zu Jungen und insbesondere Kindern haben, fühlen sie sich wohl.
Daher ist es wichtig das Gemeinschaftsgefühl des Betroffenen zu stärken. Hierbei könne dir die folgenden 10 Tipps zur Deprivationsprophylaxe behilflich sein.

Die 10 Tipps zur Deprivationsprophylaxe

1. Kontakt mit Bezugspersonen:
Der Liebesentzug der Bezugsperson ist meist der erste Schritt zur Deprivation.
Besonders in südländischen Familien wurde beobachtet, dass der familiäre Zusammenhalt maßgeblich für den Lebensfluss der älteren Menschen entscheidend ist. Durch die Rolle von Großeltern, die noch weiter gebraucht und gefordert wurden.
• Halte den Kontakt mit deinem Angehörigen aufrecht und binde Sie bei Entscheidungen mit ein. Auch die Bitte um einen Ratschlag schützt deinem Angehörigen vor der Vereinsamung und hilft dir eventuell sogar tatsächlich gute Erfahrungen zu erhalten.
In südlichen Kulturen sind die Menschen immer eingebunden und bleiben so mit der Familie verbunden.

2. Gemeinsames Essen:
Ein weiterer Punkt welches in südlichen Familien beobachtet wurde ist, das Großeltern meist das Oberhaupt der Familie sind. Sie werden regelmäßig von der ganzen Familie z.B. zum Essen besucht.
• Schaffe mit deinen Familienmitgliedern ein Ritual mindestens 1x/Monat bei deinem Angehörigen zu essen, oder lade ihn selbst zum Essen ein. Versuche hierbei Akzente mit Dekorationen zu setzen, bringe Blumen mit, stelle schöne Bilder auf oder nutze tolle Vasen, Teller und Tischdecken. Diese Abwechslung in der gewohnten Umgebung schafft neue Reize und kann die kognitive Fähigkeit anregen.

3. Angehörige in die tägliche Pflege einbinden:
Bei der tägliche Pflege ist nicht nur ausschließlich die körperliche gemeint. Viel mehr stärkt die Unterstützung im Umfeld z.B. im Haushalt durch gemeinsames spülen, abtrocknen und andere zwischenmenschliche Aktivitäten das Gemeinschaftsgefühl.
• Versuche daher dich mit anderen Familienmitgliedern zu koordinieren, um deinem Angehörigen so oft wie möglich zu besuchen. Bereits kurze Besuche in regelmäßigen Abständen und Tagen bereiten Freude und animiert  ihrem Angehörigen dazu sich auf den Tag vorzubereiten.
Weiterhin ist es wichtig Nähe zu zeigen, wenn Angst erkennbar ist. Dein Angehöriger soll signalisiert bekommen, dass du seine Angst verstehst. Geborgener kann er sich nicht fühlen, wenn du ihn zur Beruhigung in den Arm nimmst.

4. Austausch mit anderen Menschen:
Durch den Beitritt in einem Verein z.B. in Sport, Kirche, oder kulturelle Vereine wird eine Atmosphäre für Kontakte geschaffen. Auch eine ehrenamtliche Tätigkeit hält den Geist jung und verbindet den Lebensfluss, durch die Tätigkeiten mit meist jüngeren Menschen.
• Schaue mit deinem Angehörigen nach Aktivitäten die ihm Freude bereiten und begleite ihn anfänglich zu den Kursen bis sich ggf. Freundschaften und Eigenständigkeit aufzeigen. Alternativ lassen sich durch Transportdienste auch feste Abholzeiten vereinbaren, die ihn regelmäßig zum Kurs (Verein, Arbeit,…) hin und wieder zurück fahren.

5. Freundschaften:
Das regelmäßige treffen mit Freunden, vielleicht einmal pro Woche zum spazieren oder Café trinken hält den Lebensfluss der älteren Menschen aufrecht. Es gibt ihnen das Gefühl sich mit anderen auszutauschen, ohne zwangsläufig auf dessen Hilfe angewiesen zu sein. Es gibt ihnen Raum eigene Gedanken auszudrücken und über das Leben zu sprechen.
• Falls du bekannte Freunde deines Angehörigen kennst, kannst du sie gemeinsam zum Café und Kuchen einladen und ein regelmäßiges gemeinsames Treffen der Beiden einleiten.

6. Menschliche Zuwendung:
Einsamkeit ist immer ein subjektives Gefühl. Jede Person empfindet es anders. Für den einen kann der Besuch ein Mal in der Woche ausreichen. Für den Anderen müssten es schon mehr sein. Fakt ist, dass der Mensch die Nähe braucht.
• Versuche daher, stets die Ängste nachvollziehen zu können und einen vertrauenswürdigen Raum zu schaffen über alle Themen offen sprechen zu können.
Meist ist jedoch die Isolierung bereits so weit fortgeschritten, dass die eigene Wohnung nicht mehr verlassen wird. Hier haben sich Nachbarschaftsvereine oder Besuchsdienste bewährt, die nach Hause kommen und so erste Hürden abbaut.

Dienste, die für hochbetagte und einsame Menschen dienlich sind

Freunde alter Menschen
Angebote des Vereins richten sich an Senioren in Hamburg, Köln und Berlin
Tel.L 030/13 89 57 90
www.famev.de

Ambulante Versorgungsbrücken
Tel.: 0421/69 64 200
www.ambulante-versorgungsbrücken.de

Wege aus der Einsamkeit
www.wegeausdereinsamkeit.de

Netzwerk Nachbarschaft
www.netzwerknachbarschaft.de

„Jeden Montag um eine bestimmte Zeit bietet z.B. der Bremer Verein „Ambulante Versorgungsbrücken“ an, die Betroffene über das Telefon anzurufen. Der Verein engagiert sich besonders für einsame Hochbetagte mit Redebedarf.“ – Quelle: Senioren Ratgeber 09/2017

7. Möglichst reizvolle und angemessene Umgebung schaffen bzw. erhalten:
Die neue Umgebung im Altenheim, oder die Änderung der Lebenssituation z.B. durch den Tod des Partners führt bei dem Betroffenen zu Desorientierung und gedrückter Stimmung.
• Helfe deinem Angehörigen beim gestalten des Wohnraumes z.B. Im Altenheim. Frage ihm nach Wünschen und versuche Elemente einzufügen die nach seinem Zuhause erinnern. Speziell platzierte Möbel, besondere Dekorationen und Pflanzen geben ein wohliges Gefühl und bieten gezielte neue Impulse in den eigenen 4 Wänden. Ein zusätzlicher Tipp der bei manchen Menschen ebenfalls hilft ist das Ausmisten gewisser Altlasten. Damit ist das Aufräumen des Kellers, des Dachbodens oder auch der Garage gemeint, dies soll befreiend für die Seele sein und Stress reduzieren.

*Auf mich selbst hat das Ausmisten irrelevanter Dinge
definitiv ein befreiendes Gefühl ausgelöst.

8. Bewegung:
Die körperliche Bewegung baut nachweislich Stress ab. Es ist nachgewiesen, dass Mobilität und Wohlbefinden miteinander zusammenhängen.
• Versuche deinem Angehörigen gezielte tägliche Aufgaben zu geben. Aktivitäten wie die Post sortieren, die Blumen zu gießen, zu Kochen oder zu backen können täglich in den Alltag eingebunden werden und fördern die kognitiven wie auch die körperlichen Fähigkeiten. Auch ein fester Tag zum spazieren gehen ist eine Maßnahme, die sowohl das Gemeinschaftsgefühl stärkt und durch die frische Luft mit der Bewegung den Körper und dessen Organe durchblutet.

9. Strukturierter Tagesablauf:

„Der Mensch ist die Summe seiner Gewohnheiten“

Durch tägliche Routinen, wie das Aufstehen zur selben Zeit, feste Besuchszeiten mit Freunden oder Familie, feste Besuchstage seines Vereins oder Ehrenamt, oder regelmäßiges rausgehen erhält dein Angehöriger einen strukturierten Tagesablauf, welches einer Überforderung entgegenwirkt. Zudem bekommt er täglich neue Reize von der Außenwelt. Das Gehirn verarbeitet das Erlebte, es treibt den Menschen zu Handlungen und zu zielgerichteten Bewegungen an.
Besonders der Kontakt mit Wasser bietet fördernde Eigenschaften. So wäre eine routinemäßige Gewohnheit eines Fuß-, Hand- oder Ganzkörperbads förderlich, oder auch beruhigende oder anregende Massagen mit ätherischen Ölen förderlich.
• Versuche mit deinem Angehörigen regelmäßig Thermen, oder Schwimmbäder aufzusuchen bzw. organisiere mit ihm den Besuch eines Schwimmvereins.

10. Spaß
Ob es nun das Schwimmbad ist, der Besuch seines Lieblingssportvereins oder das regelmäßige Lesen seiner Bücher. Spaß ist ein Zustand, der zur Prophylaxe am Wichtigsten ist. Deprivierte Menschen haben diesen positiven Zustand nur noch selten im Leben und sind daher in einer Abwärtsspirale gefangen.
• Verbreite daher gute Laune, wenn du deinen Angehörigen besuchst. Nutze hierbei Musik, die auch er gerne hört. Bereits heute nutzen Musiktherapeuten in geriatrischen Einrichtungen Erinnerungen an Kindheitsmusik, um Patienten aus ihrer Isolation herauszuholen und ihnen zumindest kurzzeitig Freude zu bereiten.
• Lächeln: Das Lächeln schüttet in unserem Körper positive Endorphine aus, die zum Stressabbau in unserem Körper benötigt werden. Indem du das tägliche Lächeln vor deinem Angehörigen ausführst, trickst den Körper aus und nutzt die Fähigkeit des Verstandes, um dich selbst und hoffentlich auch deinen Angehörigen in eine positive Verfassung zu bringen, denn der Körper kann nicht von einem falschem Lachen und einem echten unterscheiden und schüttet daher so oder so diese Glückshormone aus.
• Haustiere: Die Anschaffung eines Hundes z.B. kann dabei helfen mit anderen Menschen in Kontakt zu treten, gibt deinem Angehörigen eine feste Aufgabe und einen Sinn. Es liefert außerdem Gesprächsstoff  und reduziert durch die Nähe des Tieres Stress. Achte jedoch darauf, dass dein Angehöriger nicht mit den täglichen Aufgaben überfordert ist, das würde sich negativ auf den Gemütszustand auswirken.
• Klamotten: Das Selbstwertgefühl deines Angehörigen zu Stärken ist eine weitere Maßnahme zur Deprivationsprophylaxe. Das Selbstwertgefühl vermittelt einer Person nämlich was sie von sich selbst hält. Sie bezieht sich also auf das Selbstempfinden. Der Selbstwert eines Menschen kann als soziale Integration eines Menschen verstanden werden, die bei deprimierten Menschen gemindert ist.
Sorge dafür, dass dein Angehöriger die Klamotten anzieht, die ihm auch tatsächlich gefallen und ihm ein gutes Gefühl verleihen. Nicht umsonst gibt es das Sprichwort: „Kleider machen Leute“. Ebenfalls hilfreich ist das Nutzen seines Lieblingsparfums. Der wohlige Duft charakterisiert einen Menschen und steigert die eigene Bewertung.
• Hobbys nachgehen: Das Leben besteht aus einer Balance zwischen Stressoren und positiven Erlebnissen. Sind übermäßig Stressoren im Leben führt das auf lange Sicht zu einem geminderten Selbstwertgefühl, man bekommt das Gefühl nicht alles geregelt zu bekommen.

Durch das regelmäßige nachgehen eines Hobbys erlangt dein Angehöriger eine Regenationsquelle, einen Ort, der das Selbstbewusstsein fördert. Spreche daher mit deinem Angehörigen über Tätigkeiten die ihn erfüllen und versuche diese Freuden in seinen Alltag zu integrieren.

*Dieser Beitrag wurde zur verständlichen Vereinfachung
in der männlichen Form verfasst,
gilt jedoch gleichermaßen für die weibliche.

Dein Gesundheits- und Krankenpfleger,

Fabio D’Adamo

 

 


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