Delir – Verwirrung muss nicht gleich Demenz bedeuten

„Meine Mutter liegt im Krankenhaus und ist total verwirrt!“

Das ist eine Aussage die häufig genannt wird. Angehörige erkennen Ihre Eltern nicht wieder, da Sie „durcheinander“ und zugleich vergesslich sind. Des Öfteren liegt dann der Verdacht auf Demenz. Doch das ist nicht ganz richtig.

Nun erst einmal von vorne. Ältere Herrschaften, die durch ein akutes Ereignis unerwartet ins Krankenhaus müssen, müssen sich in einer völlig neuen Umgebung zurecht finden. Die Ungewissheit über die Länge des Aufenthaltes und über die bevorstehenden Maßnahmen versetzen den Körper unter Stress. Zusätzliche Schmerzen begünstigen diesen Stress.

Doch ist es gleich Demenz?

Nein. Während des Krankenhausaufenthaltes haben ältere Menschen ein erhöhtes Risiko einen akuten Verwirrtheitszustand (Delir) zu entwickeln.

Delir?

Genau. Delir bedeutet wörtlich übersetzt „neben der Spur sein“, was die Symptomatik ziemlich genau beschreibt.

„Mein Vater wurde frisch operiert und jetzt erkenne ich Ihn nicht wieder.“

Vorbestehende Erkrankungen, eine notwendige Umstellung der Medikamente, Infekte, die Durchführung einer Operation mit der postoperativen Bewegungseinschränkung sind Faktoren die diesen Zustand begünstigen.

Es kommt dadurch zu einer vorübergehenden organischen Beeinträchtigung des Gehirns.

Ein Delirium (der Zustand im Delir) kann mehrere Tage und Wochen andauern, bildet sich in den meisten Fällen wieder zurück.

Delir hat diverse Anzeichen, so kann Ihr Angehöriger völlig teilnahmslos und zurückgezogen sein, oder auch übermäßig starken Bewegungsdrang verspüren. Phasenweise kann Ihr Angehöriger auch völlig klar sein, während im nächsten Augenblick die Verwirrtheit wieder eintritt. Da meistens Patienten mit einem gestörten Schlaf-Wach-Rhythmus an Delir leiden sind Sie besonders Nachts durcheinander.

Was kann dagegen unternommen werden?

Gegen Delir gibt es kein Allheilmittel, da die Ursache gefunden werden muss, die den Verwirrtheitszustand hervorruft.

8 Tipps, um Delirzustände zu erkennen und dagegen anzugehen

1) Früherkennung. Sie als Angehörige kennen die betroffene Person am besten und können einschätzen, ob das Verhalten abnorm ist. Teilen Sie Ihre Beobachtung den Pflegepersonal und Ärzten mit, um frühzeitig mit der Gegenregulierung zu beginnen.

Folgende Fragen werden unter anderem auch vom Pflegepersonal fortlaufend gestellt. Bekannt sind diese Fragen aus der DOS-Skala (Delirium Obersavation Screening Scale), um zu ermitteln wie schwerwiegend der Delirzustand ist und wie er sich im Laufe des Krankenhausaufenthaltes verändert.

• nickt während des Gespräches ein?
• wird durch Reize in der Umgebung schnell abgelenkt?
• ist Unaufmerksam im Gespräch?
• beendet begonnene Fragen oder Antworten nicht?
• gibt unpassende Antworten auf Fragen?
• reagiert verlangsamt auf Aufträge?
• denkt, irgendwo anders zu sein?
• weiß nicht welche Tageszeit momentan ist?
• vergisst kürzliche Ereignisse?
• nestelt, ist ruhelos, unordentlich und nachlässig?
• zieht an Infusionen, an Sonden oder an Kathetern?
• reagiert unerwartet emotional?
• sieht, hört und riecht Dinge, die nicht vorhanden sind?

Falls Sie als Angehörige mehr als 3 dieser Fragen mit Ja beantworten können, dann ist der Verdacht auf ein Delir gegeben und eine Anmerkung an das Pflegepersonal und dem Arzt ist anzuraten.

2) Persönliche Gegenstände mitbringen. Bringen Sie eigene Klamotten, eigenes Kissen, Bilder von der Familie und weitere Gegenstände mit. So erscheint die neue Umgebung weniger fremd.

3) Orientierung geben. Sprechen Sie behutsam mit Ihrem Angehörigen und erklären Sie ihm geduldig das er im Krankenhaus ist. Je öfter es wiederholt wird, desto besser ist die Chance, das Ihr Angehörige die Umgebung annimmt. Sie wirkt dadurch weniger beängstigend und wirkt nicht mehr als zusätzlicher Stressor. Zusätzlich kann ein Kalender und eine Uhr mitgebracht werden, damit die zeitliche Orientierung gstärkt wird.

Eine gute und günstige Uhr mit Anzeige des Datums ist unter Amazon zu finden. Im Folgenden haben wir eine Uhr herausgesucht, die vom Preis/Leistungsverhältnis die besten Kundenrezensionen aufweist.

4) Besuche durch Familie und Freunde sind wichtig und geben Ihrem Angehörigen Sicherheit. Jedoch empfiehlt es sich die besucherzahl gering zu halten (2-3 Personen). Delirante Patienten versuchen ihre Desorientiertheit zu überspielen. Das kann auf Dauer anstrengend sein, wodurch Sie gereizt reagieren können, wenn viele Besucher anwesend sind.

5) Gesprächsführung. Im Delirium kann der Betroffene Zeitangaben nicht verarbeiten, so können Missverständnisse auftreten, wenn Besuche mit Zeitangaben angekündigt werden. Hilfreich sind hierbei Sätze wie: „Ich gehe jetzt nach Hause und komme dann wieder“.

6) Freude bereiten. Sprechen Sie mit dem Personal, ob Sie Lebensmittel von Zuhause mitbringen können, die er mag. Bringen Sie Zeitschriften mit oder Verbringen Sie Zeit mit ihm, auch um schlicht fern zu sehen. Machen Sie Dinge, die Ihrem Angehörigen auch zuhause Spaß bereiten.

7) Hörgeräte und Sehhilfen mitbringen. Sie sind wichtige Hilfsmittel, ebenso wie Brillen und Zahnprothesen. Allein durch die Nutzung dieser Hilfsmittel bessert sich verständlicherweise die Wahrnehmung und jeder Verbesserung der Wahrnehmung wirkt einem Delir entgegen.

8) Flüssigkeitsaufnahme. Eine häufige Problematik älterer Menschen ist die geringe Flüssigkeitsaufnahme. Als Folge wird das Gehirn ungenügend versorgt. Flüssigkeitsmangel bedeutet weniger Blutvolumen. Durch regelmäßiges erinnern und mitbringen von Lieblingsgetränken wird eine Dehydratation (Flüssigkeitsmangel) entgegengewirkt und fördert die Versorgung des Gehirns.

Eine gute Möglichkeit ist die Nutzung eines eigenen Trinkbechers z.B. von  culinario Ice Mug, Thermobecher mit 500 ml Inhalt., welches unter Anderem Getränke warm hält und das „Verschütten“ durch festen Sitz des Deckels vermeidet. Gleichzeitig lässt sich dadurch auch die Einfuhr gut kontrollieren. Andernfalls Fragen Sie das Pflegepersonal nach Trinkbechern, diese sind in der Regel in allen Krankenhäusern und Altenheime vorhanden.

Ich hoffe, dass Ich mit diesen Tipps weiterhelfen konnte.

Ihr Gesundheitsberater und Krankenpfleger

Fabio D’Adamo

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