10 Tipps zur Dekubitusprophylaxe

Rötungen, Schürfwunden und Druckstellen – Was du tun kannst, um ein Dekubitus bei deinen Angehörigen zu vermeiden.

In diesem Beitrag geht es um die Dekubitusprophylaxen. Du erhältst Wissen aus der Pflege und kannst somit Maßnahmen imitieren, die offene Druckstellen, also einen Dekubitus vermeiden.

Zu Beginn – Was ist und wie entsteht ein Dekubitus?

Unter einem Dekubitus versteht man eine lokale Schädigung der Haut (oder darunter), welches durch anhaltenden Druck (Druckstelle) minderdurchblutetet wird. Die Druckstelle wird in verschieden Dekubitusgrade (1-4) unterteilt, die von dem Ausmaß und der Tiefe abhängen.

Die Folgen davon liegen auf der Hand: Das Gewebe stirbt aufgrund mangelnder Durchblutung ab, führt zu Infektionen, die bis in den Blutkreislauf gelangen können. Dies kann schlimmstenfalls zur Sepsis (Blutvergiftung) führen. Abgesehen davon entstehen auf Dauer gewaltige Schmerzen und führen aufgrund dessen zu Bewegungsbeeinträchtigungen und dessen Folgen.

10 Tipps & Maßnahmen zur Dekubitusprophylaxe
  1. Früherkennung

Um zu wissen, wie gefährdet ihr Angehöriger für einen Dekubitus ist, hilft es sich folgende Fragen zu stellen:
– Ist mein Angehöriger immobil, geschweige denn Bettlägerig?
– Ist er Übergewichtig oder Untergewichtig?
– Schwitzt er viel? Oder verliert anderweitig viel Flüssigkeit und ist dadurch potentiell vermehrt Feuchtigkeit ausgesetzt? (z.B. Durch Fieber, Inkontinenz, …)
– Hat er Stoffwechselstörurengen, wie z.B. einen Diabetes?
– Hat er dadurch Sensibilitätsstörungen und spürt kaum Druckschmerzen?
– Hat er Kontrakturen, benötigt Unterstützung bei der Mobilisation im Bett oder aus dem Bett?

Wenn Sie nun zwei dieser Fragen mit Ja beantworten können, besteht die Gefahr, dass Ihr Angehöriger einen Dekubitus erleiden könnte. Wobei das Problem der Mangelnden selbständigen Bewegung am meisten zählt und schon alleine als Ursache dienen kann.

Die eben genannen Fragen sind eine kurz gefasste Abwandlung der Braden-Skala, einem Assessment (Messinstrument), die in der Pflege angewandt wird, um ein Dekubitusrisiko einzuschätzen.

Die Komplette Braden-Skala findest du in der Kategorie Pflegeinsider, oder hier.

  1. Druckentlastung

Der Hauptgrund weshalb ein Dekubitus entsteht ist der anhaltende Druck auf einer Stelle. Somit ist die Entlastung dieser Druckstelle von entscheidender Bedeutung.
Die Entlastung kann erfolgt werden durch:

  1. Druckentlastung – Positionswechsel

Positionswechsel, oder auch umgangssprachlich Lagerung genannt, wird häufig bei Patienten angewandt, die kaum eigene Kraft anwenden können. Sie liegen in der Regel überwiegend, wenn nicht sogar fast ausschließlich im Bett liegen.
Die Lagerungen können je nach Druckstelle unterschiedlich erfolgen. So werden Druckstellen an den empfindlichen Stellen wie Fersen, Steiß, Ellbogen, Schulterblätter oder Hinterkopf (und Ohren) besonders hohl gelagert. Dies kann zur Prophylaxe bereits genügen, wenn ein Kissen unter bzw in Umgebung dieser Stellen angelegt wird, sodass die Betroffene Stelle, z.B. die Ferse hohl liegt, also das Bett nicht berührt.

Wichtig hierbei: Die Lagerung muss in bestimmten Zeitintervallen erfolgen, sprich alle 1-2 Stunden. Den genauen Plan für deinen Angehörigen erfährst du später in dem Punkt Bewegungs/-lagerungsplan.

Die wichtigen Lagerungen zur Dekubitusprophylaxe habe ich dir in einem separaten Beitrag aufgeschrieben, den du unter Pflegeinsider, oder hier findest.

  1. Druckentlastung – Bewegungsförderung

Ist dein Angehöriger jedoch mobil, so ist die Bewegung das einzig Richtige was du tun kannst. Lasse nicht zu, dass er im Bett liegen bleibt, oder sich nicht mehr bewegen möchte. Abgesehen von der Gefahr eines Dekubitus führt mangelnde Bewegung zur Beeinträchtigung der Gehirnleistung.
Daher empfehle ich dir Folgende Übungen, die falls nötig auch im Bett angewendet werden können.
Passive Bewegungsübungen: Du nimmst das Bein und führst die Bewegung für deinen Angehörigen durch. Er wendet hierbei keine Kraft an. So können sie die Beine und Arme Rotieren und auch die Fuß und Armgelenke. Ideal auch zur Kontrakturprophylaxe.
Aktive Bewegungsübungen: Wie es der Name schon erahnen lässt, lässt du nun deinen Angehörigen die Beine aufstellen und wieder abstellen. Das selbe mit den Armen. Diese kleinen aber auch einfachen Bewegungen lassen verschiedene Areale durchbluten und wirken hierbei der durch die Druckstellen entstehenden Minderdurchblutung entgegen.

  1. Druckentlastung – Lagerungshilfsmittel

Die gängigste und einfachste Lagerungsmethode ist schlicht das Kissen. Vielfältig Anwendbar, kann dein Angehöriger damit auf die Seite gedreht werden und mit den Kissen auf die Jeweilige Position lassen werden. Alleine das Anlegen eines Kissens unter einer Gesäßhälfte (Im Bereich des Beckeckens) kann die Lagerung so beeinflussen, dass der Steiß entlastet ist und für eine gewisse Zeit keine Druckstelle bekommt.
Weitere Hilfsmittel sind besondere Matratzen, oder Matratzenauflagen, die durch ihren geringen Härtegrad einen Dekubitus verzögern können.
Eine spizielle „Lagerungswurst“ ist geformt wie ein langes Kissen, welches für die Seitenlagerung ideal geeignet ist. Kostengünstige und bewährte Lagerungshilfsmittel finden sie weiter im Beitrag weiter unten.

Durch das konsequente Anwenden der Druckentlastung, hättest du deinen Angehörigen bereits sehr geholfen, um einen Dekubitus zu vermeiden. Der Vollständigkeit halber werde ich dir aber natürlich die restlichen 5 Maßnahmen erklären, die es zur Dekubitusprophylaxe zu beachten gilt.

  1. Hautpflege

Die regelmäßige Beobachtung der Haut auf Bläschenbildung oder Schürfwunden ist unabdingbar. Häufig entstehen besonders in feuchten Gebieten, z.B in den Leisten, oder bei korpulenten Personen zwischen den Hautfalten, Rötungen die später zu Läsionen führen. Halte daher die Haut stets trocken, wasche Sie mit möglichst ph-neutraler Seife und trockne sie gut ab. Ggf. kannst du zwischen den Falten Kompressen einlegen, um das Ansammeln von Schweiß und Bakterien in den eben genannten Gebieten zu vermeiden.

  1. Hygienemaßnahmen

Eine Händedesinfektion vor dem durchführen der Prophylaxe ist im Krankenhaus natürlich notwendig, doch daheim nicht zwingend. Genauso wenig ist es notwendig, die Haut deines Angehöriges zu desinfizieren. Dies würde nur unnötig die Haut reizen und fördert nicht die Wundheilung. Halten Sie die Haut stets trocken. Salben oder ähnliches sind nicht notwendig, um die Heilung zu fördern, im Gegenteil. Besonders fetthaltige Salben lassen die Haut nicht „atmen“, dies führt zur vermehrten Wärmebildung und Schweißproduktion. Das einfach abwaschen mit klarem Wasser (oder mit ph neutraler Seife) und das Entlasten, sowie trocken Halten der feuchten Gebiete, langen aus, um die Wundheilung zu fördern.

Bei bestehender Inkotinenz bei Männern empfiehlt sich das Anlegen eines Urinalkondoms, um urininduzierte Feuchtigkeit zu vermeiden. Den Beitrag zum Urinalkondom findest du hier.

  1. Ernährung

Die Ernährung spielt bei dem Dekubitus eine etwas kompliziertere Rolle. Wichtig ist zu verstehen, dass bei einem bereits bestehenden Dekubitus die Eiweißaufnahme erhöht werden muss, da sich der Gewebszerfall an Druckstellen erfolgt, benötigt der Körper Proteine als Bausteine, um die Muskulatur und das verloren gegangene Gewebe wiederaufzubauen. Ihr Angehöriger sollte vor allem bei Untergewicht besonders gut essen, da die Minderung der Nahrungsaufnahme zu vermehrtem Energieverlust und Gewichtsverlust führt, welches die Antriebslosigkeit fördert.

„Kachektische (untergewichtige) Personen haben aufgrund ihrer geringen Fettschicht und der direkten Auflage an den Knochen, eine erhöhte Gefahr Druckstellen zu erhalten.“

In der Pflege werden hierzu 2 Assessments angewandt, die den Verlauf und die Dauer des Drucks einschätzen können.

  1. Der Finger-Test

Um zu erkennen, wie Ihr Angehöriger auf den jeweiligen Druck reagiert, können sie folgendes tun. Du drückst auf die gerötete Stelle, nimmst deinen Finger ab und schaust, ob sich die gerötete Stelle weiß färbt oder gerötet bleibt. Ist die Stelle weiß, so ist die ist es kein Problem und die Minderdurchblutung geht zurück. Bleibt die Stelle jedoch gerötet, besteht bereits eine Hautschädigung und der Der erste Grad des Dekubitus besteht. Hierbei müssen die oben beschriebenen Maßnahmen zu Behandlung durchgeführt werden, um die Ausbreitung des Hautschadens zu verhindern.

  1. Bewegungs-/ Lagerungsplan

Der Lagerungsplan wird als Einschätzung der Dekubitusgefährdung in der Pflege angewandt. Durch die Erfassung des Dekubitusrisikos mit der Braden-Skala und dem Finger-Test, lässt sich daraus schließen, in welchen Abständen dein Angehöriger gelagert werden muss.

Beispiel: Dein Angehöriger wird auf die rechte Seite gelagert und nach 2 Stunden auf die Linke Seite. Nach den 2 Stunden werden die Druckstellen auf der rechten Seite mit dem Finger-Test beobachtet. Ist die Druckstelle weiß, so ist kein Gewebeschaden entstanden und die Dauer von 2 Stunden Lagerungsintervall gehen in Ordnung. Bleibt die Stelle jedoch gerötet, zeigt der Fingertest, dass die Liegedauer von 2 Stunden zu lange war und die Lagerung muss ggf auf 1,5Std oder auch jede Stunde erfolgen.

 

Damit wir gemeinsam besser pflegen.

Dein Gesundheitsberater und Krankenpfleger,

Fabio D’Adamo

 


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