Der Dauerkatheter – Vor- und Nachteile

Viele kennen es, einige durch Angehörige in der Familie und manch einer hat es auch selbst. Die Rede ist von dem Blasendauerkatheter.

Medizinisch notwendig?

Hier habe ich dir 5 Vor- und Nachteile aufgelistet, die der Blasendauerkatheter mit sich bringt.

Vorteile
  1. Die Bilanzierung: Der Dauerkatheter gibt Auskunft zur Urinausscheidung. Er zeigt auf, wie viel Urin am Tag ausgeschieden wird.
  2. Die Nierenfunktion: Aufgrund der Urinmenge, die im Urinbeutel enthalten ist, lässt sich rückschließen, wie gut die Niere funktioniert.
  3. Die Urinkonzentration: Sie zeigt auf, ob ausreichend Flüssigkeit zu sich genommen wurde. Ist der Urin dunkelgelb (stark konzentriert) bedeutet es, dass zu wenig getrunken wurde.
  4. Unterstützt bei Harnverhalt, z.B. bei einer Überlaufblase: Durch Überdehnung reagiert die Blase nicht mehr adäquat auf die Füllmenge darin. Die Blase kann sich nicht selbst entleeren, weswegen der Katheter zur Ablassunterstützung angewandt wird.
  5. Zur Prostatatherapie: Ist die Prostata beim Mann entzündet, geschwollen oder vergrößert, so drückt sie auf die Harnröhre. Dadurch ist die Urinausscheidung behindert. Durch einen transurethralen- oder suprapubischen Katheter lassen sich dadurch bedingte Infektionen vermeiden.
Nachteile
  1. Der Harnwegsinfekt: Ganz vorne mit dabei bei den Nachteilen ist die Gefahr des Harnwegsinfektes. Am häufigsten kommt es zu diesem Problem durch unachtsames Legen des Katheters sowie bei mangelnder Hygiene des Intimbereichs.
  2. Verletzung der Prostata: Durch das Legen eines Katheters besteht die Gefahr die Prostata zu verletzen.
  3. Harnröhrenläsionen: Diese kleinen Verletzungen in der Harnröhre können beim Legen des Katheters verursacht werden, sowie durch anhaltenden Druck in der Harnröhre.
  4. Harnröhrenverengung: Infektionen und der Druck auf die Blutgefäße der Harnröhre führen zur Verengung der Harnröhre, die durch Narbenbildung im Heilungsprozess erfolgt.
  5. Besonderheit beim Mann: Einklemmung durch die Vorhaut, die zu Durchblutungsstörungen und Schwellung führen.

 

Was sollte ich nun beachten?

Durch das Einhalten der 5 Grundprinzipien lassen sich die Komplikationen, die durch einen Dauerkatheter entstehen können, vermeiden.

6 Grundprinzipien zur Versorgung des Dauerkatheters:
  1. Den Katheterbeutel unterhalb des Genitalbereichs (Blasenniveau) halten, ansonsten kommt es zur Stauung und zum Rückfluss des Urins. Harnwegsinfektionsgefahr!
  2. Schlauch nicht knicken. Das führt ebenfalls zu einem Stau des Urins.
  3. Viel trinken. 30-40ml pro Kg Körpergewicht, wenn keine andere Angabe vom Arzt verordnet ist. Dies sorgt dafür, dass Bakterien aus der Blase gespült werden.

Beispiel: Bei 70kg = 70kg x 30-40ml = 2100-2800ml pro Tag.

  1. Intimhygiene: Grundlegend ist folgendes einzuhalten:
  • 2x täglich
  • Mit klarem Wasser abspülen, um die Schleimhaut nicht zu reizen
  • Bei starker Verschmutzung durch Stuhlgang, mit Octenisept reinigen.
  • Besonders bei Männern besteht die Gefahr, dass sich hinter der Vorhaut Bakterien ansammeln. Daher: gründliche Intimhygiene und Vorhaut zurückziehen. Nach dem Waschen die Vorhaut erneut auf Ausgangsposition bringen, um eine Einklemmung zu vermeiden.
  • Waschrichtung: Vom Genitalbereich zum Analbereich wegwischen.
  1. Urin beobachten: bei Anomalitäten z.B. Blutkoagel (Kleine Butgerinsel), den Arzt aufsuchen.
  2. Brennt es in der Harnröhre oder in der Blase, ebenfalls beim Hausarzt oder bei der Pflege Bescheid geben.

Allgemein gilt: Die Dauer eines Katheters sollte nur so lange erfolgen, wie sie notwendig ist, da es immer eine Eintrittspforte für Keime bildet.

Der Katheter ist keine Alternative für eine Inkontinenz!

Die hohe Infektionsrate hierbei verursacht weitaus gravierendere Folgen. Stattdessen unterstützen Inkontinenzeinlagen oder Urinalkondome bei einer Inkontinenz.

Was ist, wenn ich einen suprapubischen Blasenkatheter habe?

Der suprapubische Blasenkatheter ist salopp ausgedrückt ein Katheter, der unterhalb des Bauchnabels über die Bauchdecke in die Harnröhre eindringt.

Die Vorteile hierbei:

  • Die Infektionsgefahr ist geringer und
  • Es betrifft nicht den Intimbereich

Doch auch hier gelten dieselben Grundprinzipien, wie beim herkömmlichen (transurethralen) Dauerkatheter.

Besonderheit: Bei Rötungen um die Einstichstelle, oder bei Schmerzen in diesem Bereich, umgehend den Arzt aufsuchen.

Damit wir gemeinsam besser pflegen.

Ihr Gesundheitsberater und Krankenpfleger

Fabio D’Adamo

 


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3 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Hervorragender Beitrag und einen wirklich schönen Blog hast du hier! Ich werde sicherlich öfter mal vorbeischauen! 🙂

  • Habe meinen transurethralen Katheter seit 15 März und schon 3mal eine Infektion, das heißt 3mal Antib. An meiner eigenen Hygiene liegt es nicht. Wer weiß Rat

  • Fabio von Pflegeabc
    16. Juni 2019 11:13

    Hallo, transurethral über die Harnröhre, oder über die Bauchdecke. Bei der Bauchdecke ist es wichtig, dass der Vereinswechsel hygienisch korrekt und regelmässig (mindestens 2x pro Woche) gewechselt werden muss. Über die Harnröhre solltest du die Hygiene mit einem Octenisept Spray in Erwägung ziehen, da es antibakteriell und schleimhautschonend ist. So oder so ist in beiden Fällen wichtig viel zu Trinken, da die Harnstoffe ein Nährboden für potentielle Keime mit sich bringen und nur mit ausreichend Flüssigkeitsaufnahme auch wieder ausgeschieden werden können.

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